Redaktionsalltag

Es ist ja nur normal, daß ich meinen Kollegen von unserem Besuch in alt-Vanartis und auf Delios erzählte. Noch bevor sich etwas im Palast tat, noch bevor es um Rathurnidas Amtsmüdigkeit ging.  Die Reaktionen waren höchst unterschiedlich; Vanessa und Holger nahmen es als ganz normal auf, daß es viel zu entdecken gab war noch normal für sie, sie machten am liebsten Reportagen von schön weit weg, das ließ sich so gut mit auskundschaften verbinden. Susanne fragte viel und regte an, ein paar Tafeln über die Herkunft der Avalonier zu schreiben - und hatte den Job, durfte gleich damit anfangen.

Vera, die wir noch nie so erlebt hatten wie in der Zeit seit sie hier angekommen war, nämlich ganz still in sich gekehrt und oft regelrecht abwesend, verträumt...also diese neue Vera, die wurde plötzlich hellwach. “soll das heißen, ich kann nach Vanartis fahren und ein keltisches Dorf besuchen?” fragte sie laut und richtig aufgeregt. “Mach mal halblang. Auch dort ist die Zeit nicht vorbeigegangen, aber es ist jedenfalls keltischer als in Irland oder Frankreich.” - “Das ist doch auch schon etwas. Was ist das nur für eine Stadt...die einzigen Kirchen hier, und jetzt auch noch so alte Wurzeln...ich muß da gleich mal hin. Wegen der Kirchen wollte ich ohnehin schon..bin etwas versumpft in der friedlichen Athmosphäre hier, es wird Zeit mal wieder aktiv zu werden. Kann ich bei diesen Arnabands einfach so aufkreuzen?” - “Aber sicher. Nimm dir aber Zeit genug, wenn die mal loslegen...” - “Ist doch genau richtig. Vielleicht kann ich dann ja auch was schreiben darüber?” - “Nimm mal ruhig an, die meisten hier werden davon wissen - jedenfalls in groben Zügen. Nur wir Flucht - Hamburger staunen sehr, in Vanartis staunt kein Mensch. Aber mach nur, schaden kann es nicht.”

Vera brach sofort auf. Holger grinste breit “ich dachte schon, bei Vera ist der Dampf ‘raus. Gut hast du das gemacht, Norman...ich vermisse ihre Quirligkeit ein bißchen. Wird wohl wieder...ja, und wir schreiben jetzt was über dieses...?” - “Delios.” - “Ja, diese Insel. Das dürfen wir doch, auch wenn sie noch gesperrt ist?” - “Sie ist nicht mehr gesperrt. Wo warst du denn in den letzten Wochen? Die Stadt füllt sich ziemlich schnell mit Leben.  Könnte Sinn machen ein bißchen in den Archiven zu stöbern, bevor wir Unsinn über Delios erzählen.” - “Mach’ ich glatt. Hier im Palast?” - “ja, aber auch bei den Arnabands. Halte dich an Nandor, der ist der Bücherwurm. Wenn du was findest, zeig’ es auch Rathurnida.”  - “ja, gern...bin schon weg.”

Für den alltäglichen Nachrichtendienst blieben also Vanessa und ich....wir machten uns über Meldungen her, die unendlich aufregend waren. So wie “Straße nach Henartis gesperrt wegen Erdrutsch” oder “Kristallwelt meldet den tausendsten Besucher dieses Jahres - ein Inder” und ähnlich weltbewegendes.  Na, das würde sich ja bald etwas ändern, sagte ich mir und machte mich dran.

Vera, angestochen

Wir sahen sie erst am nächsten Tag wieder. Vera kam früh und war so quirlig wie zuletzt in Hamburg. “das ist ja eine erstaunliche Stadt” sagte sie sofort “ich konnte mich kaum davon lösen. Nicht nur dieses Dorf...stell dir vor, ich habe stundenlang mit einem Priester diskutiert. Josefskirche, der Typ hat mich auf Gedanken gebracht...bis in den Morgen. Ich dachte ja, wie geht denn das, Kelten, Christen, und all die Anderen. Belenus und Christus...gut geht das, hat er gesagt. Wenn man die Namen nicht so wichtig nimmt. Und die haben ihre alten Götter zwar nicht vergessen, aber es ist wie überall hier - es kommt ja mehr darauf an, was wir tun. Wie man Gott oder die “Götter” nennt...unwichtig, nicht? Da kommt man auf Gedanken... Norman, sag mal, wäre es eine dumme Idee, eine Nonne hierher einzuladen?” - “Was denn, du kennst eine Nonne?” - “Ja natürlich, Schwester Pia...also die Conny Fleetholm, so heißt sie eigentlich. Ging mit mir in die Schule...ich bin dann zum Tageblatt, sie ins Kloster Ahrensburg. Mann, haben wir uns damals gefetzt...ich hätte Lust das fortzusetzen.” - “warum soll das eine dumme Idee sein?” - “Naja, die freizügige Art hier, und sie mit ihrer “no-Sex-please-Haltung...?” - “Ja und? Nein sagen kann sie hier wie in Hamburg. Mach’ das ruhig.” - “Ja, und wie? Haste mal’n Telefon?”

Ich grinste sie breit an. “Du weißt, es gibt keines. Aber fahr’ mal nach Adarnia ‘rauf, am Tor haben sie eines - auf Rifé auch. Oder schockier’ sie und fahr zum Licht der Alten.” - “Ach, das wohl besser nicht. Rifé also? Wußte ich nicht.” - “Ja, Rifé. Grüß’ die Andira. Und viel Spaß mit dem fetzen.” Sie lachte “Ihr werdet es mitbekommen - wenn sie überhaupt kommt, wenn sie das darf.” Schon war Vera wieder auf Achse. Wir freuten uns alle daß sie wieder so munter war, und warteten ab.

Sie kam abends zurück, immer noch total aufgedreht “sie kommt tatsächlich. Eine Woche kann sie weg bleiben, so streng sind die..eine Woche pro Jahr. Ich werde sie in Rio abholen, damit sie nicht so viel Zeit verliert. Übermorgen...du, ich hab’ noch nie so’n Ding geflogen. Ist das schwer?” - “Ach was. Geh zum Hafen, nimm dir einen  und dreh’ ein paar Runden und laß’ dir erklären wie das läuft mit dem Übergang von Arganthia nach Rifé. Du willst die ganze Strecke selbst fahren, was?” - “Ja, wenn schon. Mit der XanthorII, das dauert ja... ich war fast den ganzen Tag auf dem Schiff, nur eine Stunde auf Rifé. Nein, Gleiter direkt - wenn ich das packe.” - “Na, dann geh’ mal üben.” Vera ging wie auf Wolken. Sie war wohl jetzt erst wirklich hier angekommen. “Die zwei haben ganz schön lang gebraucht um sich zusammenzuraufen” sagte Vanessa “die haben oft tagelang nur geredet, sind kaum aus dem Haus gegangen. Ist aber seit einiger Zeit vorbei. Ich habe mich schon gewundert warum Vera so still war...na, sie ist ja wieder da.” - “Ja, es dauert ein wenig, bis man sich hier zuhause fühlt. Ihr hattet es wohl leichter?” - “ja, irgendwie schon. Ging eigentlich eher  so nebenher...war auch gut daß wir sofort wieder arbeiten konnten. Aber man wundert sich immer noch täglich.” - “Wem sagst du das. Na, dann habt ihr ja bald einen Pinguin im Haus...” Vanessa lachte, aber nur kurz “Weißt du was? Die Spottbegriffe von früher können wir ruhig auch vergessen. Ich freu’ mich auf jeden Besuch aus der kalten Heimat.”

Ich ja auch. Nur, Vera und eine Nonne...ich war ehrlich gespannt was das geben würde.

Hamburg, Rifé, Atlantis...

Die wenigen Tage vergingen schnell. Vera war schon am Morgen unruhig, brach dann viel zu früh auf - sie hatte mehrere Tage lang mit Gleitern geübt und war sich jetzt sicher, das Taxi machen zu können. Es wurde dann Abend, bis sie zurück kam, und mit ihr Schwester Pia oder Conny, denn der Ordensname war schnell vergessen. Wir gingen abends rüber zum Hafenmeisterhaus, und da saßen sie schon, Vera, Conny, Holger, Vanessa, Chris. Conny sah sich ständig um, machte große Augen und sagte anfangs kein Wort. Sie war in zivil erscheinen, also nicht in Ordenstracht - nix mit Pinguin. Vera erzählte ausführlich von ihren Künsten mit dem Gleiter, von der seltsamen Überfahrt Arganthia-Rifé und vom Trubel in Rio. Erst nach länglichen Berichten sprach sie die abwesende Conny dann an “jetzt sag’ du aber auch mal was, Conny. Hab’ ich übertrieben?”

Conny schüttelte den Kopf. “aber nicht doch...unglaublich, das hier zu sehen. Ebenso städtisch wie bei uns, aber kein Dreck, kein Lärm, beste Luft...es geht also doch.” - “Na klar. Hier schon immer. Ist das alles was dir auffällt?” - “Ach...ich weiß ja nicht, wo anfangen. Nein, es ist ja alles ganz anders. Schon die Fahrt hierher, diese seltsamen fliegenden Boote. Dann dieser Himmel...und die Bauten..und... und...” Alida lächelte sie an “laß dir Zeit. Vera hat dir rein gar nichts erklärt, oder?” - “Die hat nur geschwärmt - und das zu Recht. Diese Stadt ist faszinierend...so lebhaft und so still zugleich.” - “Ja, das ist mir in Hamburg auch gleich aufgefallen. Es ist laut.” - “Ja...kein Vergleich. Jetzt verstehe ich das schon besser, daß es hier keine Klöster gibt. Aber, wie Vera sagte, auch keine Kirche? Ich meine, gar keine? Weder christlich, noch moslemisch, oder jüdisch...was auch immer? Wie denn das, glauben die Leute hier nicht an Gott ?”  - “Oh doch, woran denn auch sonst. Aber diese Unterschiede brauchen wir gar nicht. Kirchen-Gebäude gibt es schon, zwei, in Vanartis. Aber keine Organisation, und die ist auch nicht nötig. Avalonia hat einen gemeinsamen Glauben, für den keine Werbung nötig ist. Du wirst sehen, wenn du ein paar Tage hier bist.”

“Ja, aber...Vera sagte, ihr nehmt Leute von überallher auf. Und da wollen die Moslems keine Moschee, die Juden keine Synagoge, die Christen keine Kirche ? Wie das?”  - “Ach...sie können sich ja bauen was sie wollen. Auch jede Art von religiösem Gebäude; aber das macht kein Mensch. Die zwei Kirchen sind uralt, und auch schön, aber du kannst dich überall umsehen, neuere gibt es eben nicht.” - “Dann also auch keine Gemeinden?” - “Weißt du, Conny, vergiß mal die Teilung in kirchliche und weltliche Gemeinde. Das ist typisch Europa, und hier ist nicht Europa. Natürlich gibt es Gemeinden, aber die lösen sich nicht auf um sich dann in sakralen Gebäuden wieder zu treffen, in anderer Zusammensetzung.  Religiöse Dinge werden ebenso gemeinsam besprochen wie weltliche - gemeinsam, egal welcher Religion man früher da oben mal angehört hat.” - “Das ist entweder sehr weise oder sehr dumm... aber ich will nicht vorschnell urteilen. Aber das heißt doch, die Leute geben ihre Religion auf, wenn sie hierher kommen?”

Alida breitete die Arme aus “nein, aber ich weiß jetzt auch nicht wie ich antworten soll.” Holger übernahm. “Weißt du Conny, es ist ja ganz und gar deine Sache, an wen und an was du glaubst. Das gilt hier, nicht anders als in Deutschland. Aber eines ist ganz anders, und das zu begreifen wird etwas dauern. Wir lehnen hier jede Art von Spaltungen ab. Du findest also weder Parteien, noch Gewerkschaften, keine Kirchen und keine Vereine. Nur Menschen, ganz einfach Menschen. Wenn du eine bestimmte Idee durchsetzen willst, stehst du allein vor dem ganzen Volk und mußt es überzeugen; keine mächtige Gruppe hilft dir dabei, Geld kannst du auch nicht einsetzen, nur deine Überzeugungskraft und deine Idee. Das gilt für alles, auch für die Religion.” - “Ich verstehe...das ist die Auffassung, alle Religionen sind ohnehin gleich.” - “Nein, so auch nicht. Wenn du mich fragst - ja. Aber es gibt einfach keine quasi staatliche Auffassung über Religion. Sie ist schlicht selbstverständlich, und egal mit wem ich auch gesprochen habe, ob er mal Moslem war oder Kommunist...so sehen das hier alle, auch die Einwanderer, schon nach kurzer Zeit. Aber fang’ nicht gleich mit solchen Themen an, sieh dich doch erst mal um.”

Conny nickte  - das tat sie ohnehin pausenlos. “Ja...wohin fahren denn nur all diese Schiffe? Wo wir doch vom Wasser umgeben sind?” - “Na, zu den anderen Städten, oder raus aufs Meer, fischen. Dann gibt es die Fähren, wie die nach Rifé, wo ihr angekommen seid. Wie war die Fahrt übrigens?” - “Ach, übel...ganz schön lang im Flieger, Hamburg-Rio, und ziemlich verrückt von da ab, mit diesem Boot. Diese Dinger sind hier, was bei uns die Autos sind?” - “So etwa. Karren haben wir auch, für schwere Lasten - die werden aber auch so angetrieben - das muß dir die Vera aber doch erklärt haben?” - “Das schon. Ist nur schwer zu begreifen, so lautlos, und doch so rasant.”

Sie schwieg eine Weile, während unten ein großer Segler anlegte. “aber ich komme darauf zurück” sagte sie dann “wenn ich mich besser auskenne. Jetzt sagt mir nur mal eines: ihr seid ja alle aus Hamburg. Wo ist es besser, hier oder dort?” - “Natürlich hier” sagte Holger und sah sich um - allgemeine Zustimmung.

Wir saßen noch lange so zusammen, aber ganz still. Conny sagte nichts mehr, und wir ließen uns gern von ihr anstecken, diese Nacht wortlos zu genießen und einfach nur zu schauen, was sich um uns herum tat.

In der Josefskirche

 Was Conny und Vera dann zusammen unternahmen, bekamen wir nicht mit. Vera kam drei Tage nicht, wir nahmen an, sie verbrachte die Tage mit Conny und machte die Einführerin. Als sie dann aufkreuzten, war es früher Morgen “wir wollen zu den Kirchen in Vanartis. Kommt jemand mit?” Ich schloß mich ihnen an. Conny war inzwischen ganz gut informiert, fragte nicht mehr und steuerte sogar einmal kurz den Gleiter, der uns nach Vanartis brachte. “Und was steht nun auf dem Programm, Conny?” - “Ach...ich möchte einfach mal in eine Kirche, und wenn es geht, mit dem Priester sprechen.” - “Du wirst dich wundern.” - “Ja? warum?” - “Wart’s ab....”

Dir Gralsgeschichte war Conny egal, in der Kelchkirche blieben wir also nur kurz. Dafür blieb sie gleich beim Betreten der Josefskirche erstaunt stehen “das ist ja...wie alt ist diese Kirche?” - “Das fragst du mich? Ich bin Neubürger, aber fast zweitausend Jahre sind es wohl.” - “Ja, sie kommt mir sehr ursprünglich vor . Waren es Griechen, die sie gebaut haben?” - “Nein, Christen aus Palästina, soweit ich weiß. Aber frag besser den Pfarrer, wenn er da ist.” - “ja- wo finde ich den?” - “Er wird schon auftauchen. Sieh’ dich halt schon mal um...” Conny sah sich um, und das gründlich. Kein Wandbild ließ sie aus, die Fenster, den Altar.. .gründlich und ruhig ging sie durch die weite Halle, dann kam der Mann den ich als Pfarrer kannte, Velandor. Ich gab Conny einen Wink mit den Augen - sie ging sofort auf Velandor zu. “Sie sind hier der Priester? Ich bin Schwester Pia aus Hamburg, auf Besuch hier. Haben sie ein bißchen Zeit?” Velandor lächelte. “Alles was ich habe, ist Zeit” sagte er freundlich “grüß dich Pia. Das “sie” und den Amtstitel laß mal weg. Ich passe auf diese Kirche auf und habe Zeit für Leute , die hier hereinkommen. Das ist alles.” - “Ja...gut. Aber sowas wie Seelsorge machst du doch wohl?” - “Was für ein Wort. Das ist bei euch da oben so, ich weiß. Habt ihr Schmerzen in den Beinen, geht ihr zum Arzt. Ist es eher tiefer drinnen, zum Pfarrer - oder zum Psychologen. Für alles gibt es einen Job... nein , Seelsorge wie du das kennst, mache ich nicht mehr und nicht weniger als alle hier.”

Er deutete auf Bänke an den Außenwänden. “Worum geht es denn, Pia?” - “Ja...wie ist das, Pfarrer sein in einem Land, das keine christliche Kirche hat?” Velandor lachte herzlich. “Wie das klingt, Velandor unter den Barbaren...weißt du Pia, was ist denn besser? Eine Umgebung in der alle Christen sind, aber keiner glaubt - oder eine, in der es keine offiziellen Christen gibt, dafür aber jede Menge Gläubige?” - “Hoppla...so streng siehst du das? Warst du in Deutschland?” - “Nein, Frankreich, USA...so viel anders wird es nicht sein, oder?”  - “Wohl nicht. Du sagst, hier glauben alle? Wirklich alle?” - “Verlang’ nicht einhundert Prozent, aber eine riesige Mehrheit ist es schon.” - “Wirklich...? Wir sind fast allein in der großen Kirche.” - “Ach, Pia...das ganze Land ist doch eine Kirche. Eine Arche, in der uns Gott geschützt und gerettet hat, als das Wasser kam. Was braucht’s da noch Hallen und Türme? Außerdem ist es noch früh.”

Pia schwieg. Sie begriff es wohl erst jetzt...Arche, hatte Velandor gesagt. Und den Weg dahin hatte nicht Noah, sondern Elévra gewiesen, und das war nicht so lange her wie die Sache mit Noah. Wieder sah sie sich lange in der Kirche um...”also auch keine Klöster. Und was tut man hier, wenn man den Trubel leid ist und einmal ganz allein mit Gott und sich selbst sein möchte? Wenigstens zeitweise?” Velandor sah sie lange prüfend an “gleich stelle ich auch mal eine Frage, Pia. Aber erst die Antwort: es gibt unbewohnte Inseln, da kannst du dich jederzeit zurückziehen und die Stille genießen. Und, wenn du willst, ganz primitiv in einer Höhle wohnen, wie die Urahnen. Das genügt vollkommen - es tun aber nur Wenige und nur für kurze Zeit.” Sie nickte bedächtig, und wartete ab.

“Pia, habe ich da eben den Grund gehört, warum du Nonne geworden bist? Du warst den Trubel leid? Ist es das?” - “Ja...das hatte damit zu tun. Aber nicht nur . So etwas wie suchen war auch dabei.” - “War...die Suche war nicht erfolgreich?” - “Nicht so wie ich dachte. Stille ist gut, wenn man nachdenken will. Sie beantwortet aber keine Fragen.” - “Das ist sicher so. Welche Fragen denn?” - “Nun ja, wozu lebe ich, was macht das für einen Sinn, hat das Ganze ein Ziel...” - “Und das, dachtest du, kannst du hinter dicken Mauern herausfinden?” - “Ja! Warum klingt das so als würdest du meinen Entschluß kritisieren?” Velandor lachte, Pia sah aus als würde sie gleich ganz schön schimpfen....

“Ja weißt du Pia, versuche mal dich in Gottes Schuhe zu stellen. Da hast du eine ganze Welt erschaffen, damit deine Kinder Freude daran haben. Hast für Sonne, gutes Wasser, köstliche Früchte und unendliche Freuden gesorgt, und das Ganze stolz deinen Kindern übergeben. Und dann gehen einige dieser Kinder hin und sagen, ah bah, ich will das alles nicht. Ich will all dem entsagen und nur eines tun, Gott erkennen. Dabei hattest du mit List und Tücke dafür gesorgt, daß eben das nicht möglich ist...kannst du mir folgen? Wärst du nicht stinkbeleidigt?” Nun mußte Pia lachen. “So habe ich das noch nicht betrachtet. So gesehen..ja. Aber ich bin ein Mensch. Ja, sagst du denn, man sollte ganz unbeschwert alles genießen was das Leben bietet, und es bewirkt nicht, daß man sich von Gott entfernt?”

Velandor nickte. “Genau das. Wie willst du dich denn von Gott entfernen? Alles was es gibt, hat er geschaffen. Wohin du auch gehst, er ist schon dort. Und selbst der finsterste Atheist kann nichts berühren, nichts erschaffen, nichts denken, was nicht letztlich von ihm kommt. Das sind doch nur Gedanken, entfernen, annähern...nichts gegen Gedanken, aber übertreibe es nicht. Du könntest dich selbst um all die guten Dinge betrügen, die Gott für uns alle vorgesehen hat.” Man sah es Pia an, das war pures Feuer für sie. Vera zog an meinem Arm, flüsterte “gleich geht sie hoch. Ich kenne dieses Gesicht. Ich habe ja auch so ähnlich zu ihr geredet, aber was Velandor da macht... “ sie brach ab, weil Pia nicht explodierte. Sie fing an zu weinen...Vera wollte sie nun trösten, aber Velandor stoppte sie “nein, laß mal. Das muß sein, es tut nun einmal weh wenn man einen schweren Irrtum erkennt. Aber es hilft auch....Pia, gehen wir doch nach draußen. Unsere Diskussion könnte andere Besucher hier stören.” Wir hatten es nicht bemerkt, aber die Kirche war nicht mehr leer. Pia stand wortlos auf , wir gingen raus auf den hellen Vorplatz. Velandor setzte sich auf eine steinerne Bank “kommt her, Pia, sieh dich mal um. Und sei so gut und verbinde nichts was du siehst, mit diesem Totschlag-Begriff “Sünde” - was das ist, können wir später mal ansprechen. Denk’ lieber mal an gute Früchte, ja?”

Ein Platz, Passanten, Gedanken, jemand...

Pia war still. Die Tränen flossen nicht mehr, sie sah sich um und wandte immer wieder schnell den Blick ab...”ja, unsere Kleidung drückt diese Haltung auch aus” sagte Velandor “aber sieh ruhig hin. Ich weiß nicht wie das bei euch ist, aber was du hier siehst, ist Natur pur. Kein Plastik, keine tollen Fassaden. Nur Menschen...und die sind ja auch von Gott. Weißt du, hätte er uns anders gewollt, wer hätte ihn hindern können? Er wollte uns so. Und du tust so als wäre das unanständig.” Pia schluckte, sagte aber nichts. “Sie denkt, wenn man sich so offen zeigt, wozu führt denn das” sagte Vera “Nicht, Pia?” Die nickte. “Na, wer hat denn gesagt, wachset und mehret euch ? Wer denn wohl?” grinste Velandor “aber Gott kann sagen was er will, immer kommt irgend so ein Schlauberger und fügt etwas hinzu, verdreht es, macht es strenger als es ist...rate mal warum.” Pia schüttelte den Kopf. “Weil es ihm Macht gibt, anderen Vorschriften zu machen . Wenn du wirklich Gott folgen willst, mußt du die dummen Sprüche dieser Besserwisser vergessen. Du solltest eher auf die Natur vertrauen, die Natur in dir. Aber ich sehe schon, du brauchst Zeit und ich muß mich drinnen um Besucher kümmern. Seid ihr noch da wenn ich wieder raus komme?”

Pia nickte still, Velandor ging wieder in die Kirche. “der redet ja fast wie du, Vera” sagte Pia  “ihr seid Christen wie noch keine, die ich kennen gelernt habe.” - “laß mal, ich nicht” meinte Vera “ich befasse mich damit, seit ich hier bin. Aber zähl’ mich nicht dazu, ich habe keine Ahnung. Ich muß aber sagen, Leute wie Velandor beeindrucken mich sehr.” - “Und du, Norman?” - “Oh, ich....habe mich ein Leben lang kaum darum gekümmert. Aber hier...du kannst mich zu denen zählen, die nicht zwischen Gläubigen und Gläubigen unterscheiden wollen, wie die Meisten hier.” - “Dann bist du genau richtig. Velandor ist mir derart über, ich fasse es kaum. Sag’ du es mir, mache ich es falsch, als Nonne?” - “Ach, Conny...Pia...das kann ich doch nicht wissen. Wenn du nach der hier üblichen Meinung fragst, dann hat Velandor das richtig gesagt, es ist falsch, gute Früchte zurückzuweisen. Aber was das für dich bedeutet, das kannst nur du wissen.” Pia seufzte. “Wenn ich es nur wüßte. Ja hat denn die Kirche - unsere - das getan, was er angedeutet hat? Die Lehre strenger gemacht um wichtiger zu werden ? Dann hätten das aber alle Kirchen getan, auch die protestantische, und die anderen Religionen?” - “Sieh es mal so. Menschen haben gern Macht über andere Menschen. Sie bleiben Menschen, wenn sie einer Kirche beitreten. Natürlich haben sie das gemacht.”  Pia holte tief Luft. “Und wie kann ich, zweitausend Jahre nach Christus, herausfinden was von ihm ist und was nicht?”

Vera machte ein spitzbübisches Gesicht “genau hier. Velandor hat mir einmal gesagt, drin gibt es eine Niederschrift der Bibel, die ist fast so alt wie der Glaube selbst, von den Jüngern aufgeschrieben oder diktiert, ich weiß es nicht so genau. Aber jedenfalls lange bevor es eine Kirche gab. Frag’ihn einfach.” - “Wirklich? das wäre allerdings..von allen zwölf Jüngern?” - “Keine Ahnung. Bücher finde ich - pardon - nicht so wichtig, auch die Bibel nicht. Velandor wird es wissen.” Vera stand auf und ging in die Kirche. “Wenn da was anderes drin steht als man uns predigt, ziehe ich so ein durchsichtiges Nachthemd an und melde mich als Neubürgerin.” Pia klang trotzig, ich mußte lachen. “Du bist unzufrieden mit deinem Klosterleben, aber das liegt doch nicht an den Büchern.” - “Doch. Wenn Velandor Recht hat, bin ich genau da verführt worden, wo ich dachte, ich gehe Verführungen aus dem Weg. Dann bin ich betrogen worden, und das will ich wissen.”

Vera kam mit Velandor zurück. “Pia, ich habe eine uralte Bibel. Aber die kannst du nicht lesen wie heutige Bücher, die löst sich ja schon fast auf. Anfassen ist nicht, aber wenn du ganz gezielt Fragen stellst, kann ich dir die Antworten suchen - gut genug?” - “Völlig genug. Ich weiß was ich wissen will. Wo?” - “Bei mir im Haus. Kommt mal mit...” Ein kleines Haus hinter der Kirche. Ein Zimmer voller Bücher, und ein sehr großes Buch unter einem Glaskasten. “Das ist sie” sagte Velandor und wir bestaunten ein Buch, zwischen dessen alten gelben Seiten neue Papierbögen lagen, größer als die alten, und dort faßte Velandor zu , schlug das Buch auf, ohne das alte Papier zu berühren. Handschrift, lateinisch. Weder verziert, noch illustriert. “Wie viele Evangelien?” fragte Pia “acht” sagte Velandor “es fehlt ein Teil. Das Buch kam durch einen Schiffbruch hierher, wie auch der berühmte Josef. Einige Seiten sind bei den Arnabands, aber acht komplette Evangelien habe ich hier. Ich weiß auch gar nicht ob alle zwölf Jünger etwas notiert haben. Also - was möchtest du wissen?”

“Aussagen über Ehe, Familie...gibt es doch nur in den Apostelbriefen, oder?” - “Oh nein.” Velandor blätterte vorsichtig vor “kannst du Latein, Pia?” - “Nicht gut genug.” - “So, na...also...Jesus in Kinnereth. Frage einer Frau, ob “ihm nachfolgen” denn bedeuten würde, Haus, Mann und Kinder zu verlassen. Er hätte ja diesen furchtbaren Satz gesagt, man solle die Toten ihre Toten begraben lassen. Also, Askese wie bei den Griechen? Nun seine Antwort...”

“Höre, und höre gut. Wenn die Menschen um dich herum zu den Toten zählen die ich gemeint habe, dann wäre es besser sie zu verlassen. Sind sie das nicht, wäre es ja geradezu unmenschlich, sie zu verlassen. Nein, nachfolgen meint nicht verlassen. Es meint, bekennen - und das kannst du überall tun. Ob du wie ich wanderst oder zu denen sprichst die dir vertrauen, das befehle ich dir nicht. Aber rede deutlich und ehrlich, und laß dich nicht von Angst hindern. Der Vater wird bei dir sein, wo auch immer du das tust.”

 Pia holte tief Luft. “ist das die einzige Stelle, die das so klar sagt?” - “Aber nein. Viele, viele...willst du mehr hören?” - “Nein, laß mal...gibt es eine Stelle, die klar sagt ob man Sex als Sünde betrachten soll?” Velandor nickte “Einige. Das wurde oft gefragt. Jesus mußte sich ja mit den Spartanern auseinandersetzen, deren Lehre war weit verbreitet damals. Hier...” er hatte weiter geblättert.

“Wie kann das Sünde sein, was euch erhält. Ohne die Vereinigung von Mann und Frau gibt es keine Zukunft. Es wurde euch gesagt, ihr sollt die Treue halten. Aber Treue und Enthaltsamkeit sind nicht dasselbe Wort. Und Treue ist mehr als nur körperliche Selbstbeherrschung. Laßt euch nichts einreden, von denen, die das Leben nicht verstehen oder gar hassen. Wer liebt, sucht auch Vereinigung, und das ist natürlich und gut. Wenn ihr euch enthalten wollt, dann lieber von zu starkem Wein oder zu hartem Wort. Nicht in der Enthaltsamkeit, sondern in der Freude am Leben liegt Weisheit.”

“Das ist starker Tobak.” Pia schnaufte hörbar “und das haben sie aus dem Buch entfernt? Ich kann das kaum glauben.” - “Entfernt, verloren gegangen, umformuliert, übersetzt...aber nicht alles. Ich habe auch eine heutige Bibel, und da habe ich den Satz gefunden “ es ist euch alles erlaubt, es nutzt euch nur nicht alles. Es geht darum, unterscheiden zu lernen .”  das ist modern übersetzt, steht aber so ähnlich auch in diesem Buch - und ich meine, das sagt doch genug. Pia, du solltest verstehen daß viele Menschen zuviel Angst haben um frei denken zu können. Das sind dann diejenigen die dir raten, nichts zu riskieren und nur ja recht vorsichtig zu sein - die Sünde lauert überall. Das mag ja so sein, aber du entscheidest ja, was du tust und was nicht. Wozu sich fürchten? Wenn Jesus eines ständig wiederholt hat, dann “fürchtet euch nicht! Fürchtet euch nicht! ich gebe auch noch zu bedenken daß er ja gesagt hat, man solle ihm nachfolgen. Nun betrachte mal sein leben, soweit wir es kennen. Hat er sich zurückgezogen, abgesehen von einmal, 40 Tage in der Wüste? Nein, er war immer mitten unter seinen Mitmenschen. Ich sehe da kein Vorbield für Askese oder Zurückgezogenheit. Für mich ist der Heilige auf dem Berge, verzeih, ein armer Idiot.”

“Puuuh...” Pia bedeutete Velandor, genug. “Jetzt sag’ mir, was du unter “Sünde” verstehst.” - “Einfach genug. Ich weiß daß es falsch ist, aber ich tue es dennoch . Das, und nur das. Also auch, wenn du jetzt begriffen hast daß es falsch ist, Gottes gute Früchte abzulehnen und doch Nonne bleibst...” - “So schnell wohl nicht, aber interessant ist das schon wie du das siehst...wie ihr das hier seht. Zur Sünde gehört also die böse Absicht?” - “Sie muß nicht direkt böse sein. Halsstarrig, stur, uneinsichtig...das genügt auch schon.” - “Auf die Tat selbst kommt es also nicht an? Wenn ich etwas tue was in den zehn Geboten verboten ist?” - “Wenn du das Verbot kennst, und doch dagegen verstößt..nun...wie ich schon sagte. Kennst du es nicht, dann ist es auch kein Verstoß. Pia, ich weiß man hat dich ganz anders belehrt. Urteile nicht zu schnell, und stütze dich auf die Schrift, sonst auf nichts. Du wirst sehen, was Jesus gemeint hat.” - “Ja,  das werde ich machen. Für heute reicht es mir...aber danke, Velandor. Ich komme vielleicht wieder...” - “Willkommen, jederzeit.”

Wir kamen auf den Kirchenplatz und Pia/Conny war ganz und gar neben sich. “Du hast mir das ja schon oft so ähnlich gesagt, Vera - aber das kam so aus dem Gefühl. Velandor, und die Schrift...da hast du die Religion abgelehnt und doch besser verstanden als ich, die ich ihr gefolgt bin - dachte ich.” - “Und ich lehne sie nicht mehr ab” lächelte Vera “seit sie Hand und Fuß hat, also seit ich hier bin.” - “hat das auch Velandor geschafft?” - “nein, Alida.” - “Alida...ist sie auch Christin?” - “So wie alle hier. Nicht wie du, mit Kirchensteuer und Pflichten. Aber mit dem Herzen.” - “Gnade. Ich brauche eine Pause. Aber ich bin froh daß du mich eingeladen hast...nochmal danke. Aber laßt jetzt mal gut sein, mir schwirrt der Kopf schon genug. Wie wär’s mit ein paar Sehenswürdigkeiten? Gibt’s hier welche?” Wir schleppten sie also in die Feuerhalle, und später in ein gutes Restaurant in der “verrückten Stadt”, Therarthris. Kein Wort fiel mehr über Jesus, die Bibel oder ihren Orden. Aber bei all den Besichtigungen war sie doch sehr nachdenklich...weder Vera noch ich fragten nach.

Besuch

Abends fuhr Vera mit Conny nach Henartis, und wohl später zur Kristallwelt, ich heim. Ich erzählte Alida von der Begegnung von Conny und Velandor, und Alida lächelte “ich kenne ihn gut. Er weiß gut Bescheid in der Schrift, und ist manchmal traurig daß es dennoch nur eine kleine christliche Gemeinschaft gibt. Das war sicher ein guter Tag für ihn.” - “Aber auch für Conny. Ich bin gespannt was daraus wird.” Das erfuhren wir zwei Tage später. Es war schon Abend, als Vera und Conny bei uns aufkreuzten. Und es gab keine Umwege...”du hast also meine alte Streit-Freundin Vera bekehrt” sagte Conny direkt zu Alida “und jetzt bekehrt Vera mich. Ich hätte es aber gern direkt von der Quelle...erklär’ mir das, Alida. Ich sehe ja daß die Menschen hier so friedlich sind wie nirgendwo sonst, und das ist ein deutliches Zeichen. Aber wie das? Keine Gottesdienste, keine Tempel, keine festen Regeln...wie geht das? Kann es Früchte geben, ohne daß man sät und erntet?” Vera kicherte “typisch Conny. Sie will das jetzt im Detail voranalysiert bekommen, am besten in Kirchenlatein.” - “Du bist eine dumme Ziege, Vera. Laß Alida antworten.”

Alida schmunzelte zunächst nur, wir setzten uns an den Brunnen. “also, Latein kann ich gar nicht, und von Analysen halte ich wenig” begann Alida “nicht in diesen Dingen. Sag mir doch einfach, was für Fragen dich umtreiben - ich versuche zu antworten, aber wenn es um Bibelstellen geht, bist du bei Velandor besser aufgehoben.” - “Ist mir klar. Vera und ich streiten uns seit wir bei ihm waren. Er ist jemand, der sich sehr gründlich mit der Schrift auseinandergesetzt hat. Jetzt würde ich lieber hören, was die normalen Bürger hier glauben. So locker wie man hier mit Sex umgeht, nehme ich an, der Begriff “Sünde” ist eher weniger wichtig, was?” - “Ach, Conny...Sünde, das ist ein typischer Kirchenbegriff. Und, wie Velandor dir sicher  gesagt hat, er hat eine Menge mit Angst zu tun. Sünden begehen wir täglich, auch diejenigen die sich davor fürchten. Wie oft tun wir etwas was wir uns längst austreiben wollten, aus Bequemlichkeit, Achtlosigleit oder absichtlich, aus Trotz. Das gehört zum Leben wie ein- und ausatmen. Es wäre glatt unmöglich, das zu vermeiden. Ich sehe das so, und das ist allgemeine Auffassung hier, darauf kommt es gar nicht an.  Es ist viel wichtiger daß man letztlich - und wenn es noch so lange dauert - sich an das hält was man für richtig erkannt hat. Und noch eins ist kirchentypisch: warum das Thema Sex anders behandeln als alle anderen Themen? Es ist eines von vielen. Du wirst ja auch wissen, daß Klöster, Zölibat, und all diese Beschränkungen nicht von Jesus kommen, sondern aus der griechischen Philosophie. Und die war übrigens ganz schön frauenfeindlich.”

Conny lächelte “das sagt mir Vera auch ständig. Versteh mich nicht falsch, mir gefällt eure Einstellung.  Ich möchte nur nicht nochmal auf das falsche Pferd setzen. Das Kloster war nicht was ich mir erwartet hatte, und wenn ich mich anders orientiere,  möchte ich es gern - endlich - richtig machen. Das ist es eigentlich schon.” - “Nicht viel, und doch alles. Richtig machen...das kannst doch nur du wissen, was für dich richtig ist. Ich kann dir das nicht sagen.” - “Ja, das war wohl mein Fehler - zu erwarten, daß mir das jemand sagen kann. Das ist mir inzwischen klar, aber einfacher macht es das auch nicht.” - “Warum - was würdest du denn gern machen?” - “Ach...geht ja doch nicht . Am liebsten würde ich in dieser Legende von einer Stadt eine Kirche bauen.” - “Was, in Vanartis? Da sind doch schon zwei.” - “Nee, in Atlantis natürlich. Aber vergiß es, ich bin weder Architektin noch kann ich mauern. Und erlaubt ist das ja sicher auch nicht .”

Alida sah in die Runde, Vera verzog das Gesicht zu einer “die spinnt”-Grimasse. “Warum nicht erlaubt?”  fragte Alida dann “Wenn du das ehrlich willst, kannst du das tun, da bin ich mir sicher. Müßtest dann aber auch den Rest machen, also betreuen, Gottesdienst halten, alles instand halten..stell dir das nicht zu leicht vor.” Conny sah sie erstaunt an “Was denn, ehrlich? Du veräppelst mich doch.” - “Kein bißchen. Aber erwarte nicht daß hier jemand katholisch, evangelisch, methodistisch oder sonstwie -isch ist. Und Kirchensteuer gibt es auch keine.” Conny winkte ab. “Natürlich nicht. An sowas dachte ich auch gar nicht. Konfessionen sind mir inzwischen völlig egal, und wenn da auch Moslems oder Juden ‘reinkommen - willkommen. Aber das wird ja doch nichts. Ist nur so ein Traum von mir...” Alida zwinkerte Vera zu “Ein Traum der wahr werden könnte - wenn man Leute findet, die mitziehen.” Vera lachte. “Ausgerechnet ich, was? Ist ja eine nette Idee, eine schöne Kirche in Atlantis, das wäre nicht übel. Aber Mensch, n’büschen kleiner wäre wohl besser - das packen wir doch nicht .” - “Aber die Idee gefällt dir schon?” - “Sehr gut sogar. Nur, da braucht’s ja wohl Fachleute.” - “Als wenn du nicht wüßtest wie das hier läuft. Einigt euch doch erst einmal, ob ihr beide gern diesen Traum verwirklichen würdet - alles andere findet sich, das weißt du doch.”

Alida kam zu mir “dieser Velandor ist ein Hexenmeister. Wir sollten ihn einladen - der Kerl interessiert mich.” Ich hatte nichts dagegen, dann sahen wir Vera und Conny zu die sich leise, aber heftig gestikulierend unterhielten...es ging wohl darum, daß sich Vera zwar einiges vorstellen konnte, aber nicht, daß sie nach Jahren von Kirchen-und Religionsfeindlichkeit nun ausgerechnet ein solches Projekt mittragen könnte. Dann wurde es plötzlich laut, Conny zeigte ihr Temperament  “Du Dösbaddel, Vera. Wo ist dein Mut hin, deine Frechheit, das was ich immer so bewundert habe? Die Vera, die ganz unbekümmert tut was sie für richtig hält? Schau her!” Conny knöpfte ihr langes Kleid auf, ließ es fallen. Zog dann schnell auch die Unterwäsche aus “Alida, gib mir bitte so ein Nachthemd! Ich glaub’ ich muß jetzt mal etwas Dampf machen, die Vera hat Muffensausen. Ich nehm’ dich beim Wort...wir machen das.”

Alida ging kichernd die Treppe rauf und kam mit einem Umhang zurück...Conny hatte sich umgesehen und dann schnell die Hände vor Scham und Brüste gelegt, war dunkelrot angelaufen, blieb aber standhaft. Alida streifte ihr glucksend den Umhang über,  band ihr den Gürtel - Vera gackerte haltlos und schön laut, dann umarmte sie Conny “von wegen Mut verloren. Ist ja gut, ich bin dabei - aber stell dir das nicht zu einfach vor. Mit einem Umhang und etwas Frechheit ist das nicht getan.”- “Ist aber’n Anfang” sagte Conny trotzig und setzte sich wieder. Es ging nun etwas ruhiger zu...Ganz sachlich, langsam aber nachdrücklich, verwahrte sich Vera gegen den Ausdruck Nachthemd . “Du wirst noch feststellen was das Ding für Vorteile hat. Spätestens wenn du mal in der Westkette oder am Atalan unterwegs bist, mit warmem Boden und Leuchtern über dir. Wenn du das nicht ohnehin längst bemerkt hast. Hier ist nicht Hamburg, Nieselregen und klamme Kälte, oder?” Conny schmunzelte, gab aber keine Antwort. Es lag etwas in der Luft...wir warteten ab.

“Alida?” - “Hmmmjaaa?” - “Ihr wärt für so eine Verrücktheit nicht etwa auch zu haben?” - “Nein, wirklich nicht. Norman ist ohnehin zu selten daheim, und ich ganz froh noch einmal Mutter zu sein. Ihr müßtet schon sehen daß ihr Leute findet die weniger ausgelastet sind, und die überreden. Aber das ist leichter als du vielleicht denkst.” - “Das müßt ihr mir erklären...aber sag’ mal, das klingt mir zu simpel. Da wird doch wohl eine Genehmigung nötig sein, ein Bauplatz - ein Großer - und eine Menge Formulare, was?” - “Formulare nicht. Sowas kennen wir nur von Auslandsreisen. Ansonsten...ja, du müßtest den Bürgermeister überzeugen daß diese Idee gut ist, aber das schaffst du schon. Kannst ja Velandor mitnehmen...Vera? sagst du auch noch mal was? Bist denn du dabei?” Vera nickte “ich hab schon größeren Mist gebaut, schätze ich. Ja, da zieh’ ich mit, soweit ich kann. Das wird was werden, Architekten sind wir ja beide nicht.” - “Das findet sich. Aber machst du nicht den zweiten Schritt vor dem Ersten? Noch bist du ja Bürgerin Deutschlands - zuerst müßtest du also zum Palast und dich als Neubürgerin eintragen. Nebenbei, unser König war früher Baumeister...mach das mal als Erstes, und red’ mit Aldor. Der versteht genug davon.” - “Aldor?” - “Der König. Ja warst du denn noch nicht im Palast?” - “Kurz ‘reingesehen. War ganz schön voll, da sind wir lieber durch die Stadt gebummelt. Ich muß mich also anmelden?” - “So etwa, ist aber ganz einfach. Nur...um dir eine schwere Enttäuschung zu ersparen...glaub nur nicht du könntest hier sowas wie eine Mission aufmachen.” - “Nein, will ich ja gar nicht. Nur das was der Velandor in Vanartis macht, so eine Art geistiger Treffpunkt.”

Man sah Vera an daß ihr damit einige Bedenken genommen waren....

Ora et labora

Danach war wohl die Luft raus, es wurde ein ganz normaler geschwätziger Abend unter Freunden, die großen Themen hatte Conny wohl vergessen. Praktischerweise schliefen die zwei dann auch bei uns, und gleich morgens nahm ich sie mit nach Atlantis und gab sie bei den Schreibern ab, setze mich etwas abseits und sah zu wie aus der Nonne eine Neubürgerin wurde... Conny war wohl mehr als verblüfft als die ganze Prozedur daraus bestand daß sie einen Mélanaden bekam und einen Spruch ins große Buch schreiben durfte “was denn, das war’s schon? Kein Ausweis, Reisepaß, tausend Fragen?” - “Ausweis bekommst du wenn du eine Auslandsreise machen willst. Hier brauchst du keinen, und tausend Fragen..nun, die hast ja wohl du gestellt oder wirst es noch tun. Hast du eine Wohnung?” - “Ich wohne bei Vera.” - “Ja...wohl vorläufig, was? Ich notiere mir das mal, wenn wir was passendes hören, sagen wir Bescheid, gut?” - “Hat Zeit...ja, gut, sagenhaft, gern. Aber ich habe da ein Anliegen...” Celinda sah sie erwartend an, aber Vera ging dazwischen. “langsam, Conny. Eine Etage höher...ist Aldor im Haus?” - “In seinem Arbeitszimmer. Geht nur rauf.”

Was da oben dann lief, bekam ich natürlich nicht mit. Ich schlenderte runter in die Redaktion und konnte gut zwei Stunden ungestört arbeiten, dann kamen die zwei an. Conny, sichtlich gebügelt von dem Besuch bei Aldor - Vera wie immer. “Norman, begleitest du uns zum Bürgermeister? Weißt du überhaupt wer das ist? Und wo der zu finden ist?” - “Hanaldor, klar. zwei Straßen weiter. So schnell?” - “Sofort” sagte Conny” bevor ich Zeit habe mir zu sagen, Conny, du hast sie nicht alle.” Vera grinste, ich ließ die Arbeit liegen, bald darauf klopften wir bei Hanaldor’s Büro.

Der große bärtige Mann öffnete selbst, fragte sofort “Probleme oder was Anderes?” - “Was Anderes” sagte Vera lächelnd, und er strahlte “dann gern - ansonsten habe ich heute eigentlich schon genug gehabt.” - “Was ist denn?” - “jaja, Norman...ihr hört es noch früh genug. Erdrutsch am Vengoran.” - “Na, ist das schlimm? Da wohnt doch keiner mehr.” - “Das nicht, aber wir hatten gerade angefangen die alten Straßen herzurichten. Alles im Eimer...wir können von vorne anfangen.” - “Der Atalan?” - “Nein, so eine Scheiß-Quelle. Mußte unbedingt woanders ‘rauskommen, nun haben wir den Mist. Na, laß mal...was kann ich für euch tun?”

Nun stellten wir ihm erst einmal die Conny vor, erklärten ihm daß sie “im Vorleben” Nonne gewesen war, und jetzt hier bleiben wollte. “Ja, und nun bist du dran, Conny.” Conny schluckte. “also, ich hab’ davon absolut keine Ahnung, noch nie ein großes Projekt angefaßt und nun habe ich mir in den Kopf gesetzt, hier in Atlantis eine Kirche zu bauen. Tja...und da bin ich und möchte wissen ob ich das darf, und was ich tun muß um das in Gang zu setzen.” Hanaldor sah sie amüsiert an, dann lachte er dröhnend los. “Du willst eine Kirche bauen? Mit den Händen? Tja, da wirst du wohl tausend Jahre alt werden müssen, Kirchen sind ja nicht gerade winzig.” Er lachte und lachte, dann stoppte er plötzlich “na, na...nicht krumm nehmen, so bin ich. Daß du eine Menge Helfer brauchen wirst, ist dir sicher klar.” Conny hatte feuchte Augen, dann lachte sie mit. “heißt das, ich bekomme eine Genehmigung?”  Hanaldor konnte es nicht lassen. “ja, wenn du mir mal erklärst wie so ein Ding aussieht, mache ich dir gern eine Genehmigung. Spaß beiseite...so läuft das hier nicht. Alles was du brauchst ist mein  ja, mach das ruhig - und das bekommst du kostenlos und ohne Antrag, wenn wir uns darauf einigen können wo das Trumm hin soll und wie es aussieht.” - “Oh...na, wunderbar. Aber du kennst deine Stadt besser...ich richte mich gern nach den Wünschen der Stadt.” - “Hört, hört...Wünsche der Stadt.. .ich wußte noch nicht daß Atlantis eine Kirche haben will, aber die Idee gefällt mir. So eine mit schönen hohen Türmen, und Steinmetzarbeiten? Wäre das was ?” - “Wenn ich die nötigen Handwerker finden kann, gern. Darf man denn hier auch anders bauen als ich es überall sehe? Also nicht so klotzig, mehr luftig, mehr künstlerisch?” - “Kein Problem, wenn das erdbebensicher ist. Hier rumpelt es gelegentlich.” - “Davon verstehe ich nichts, das muß ein Architekt richten. Aber klar muß es stabil sein....und wo denn?” Hanaldor kraulte seinen Bart, und ganz langsam kroch ein teuflisches Grinsen über sein Gesicht. Ich kannte dieses Schlitzohr gut, und ahnte schon was kommen würde. “Der Name fiel eben schon...der einzige große freie Platz, sozusagen frisch abgeräumt, schön weit oben - der Vengoran.” Nun mußte ich mitmischen...

“Aber Hanaldor, wenn der doch instabil ist...?” - “Mal langsam, Herr Schreiberling. Da oben wurde immerhin Atlantis einmal gegründet, und die Häuser haben fast viertausend Jahre gestanden. Daß sie nun, nachdem sie seit gut zweihundert Jahren unbewohnt waren, abgerutscht sind - wen kümmert’s? Wir wollten sie ohnehin abreißen. Und wenn’s nicht der Vengoran sein soll, dann  muß es in Neu-Atlantis sein. Er ist der einzige Platz der für eine Kirche groß genug ist, unbebaut und außerdem, so wie er liegt - man würde die Kirche von überall sehen, und das ist ja wohl auch wichtig.” - ”Na gut..aber die Stadt faßt die Quelle und richtet die Straßen?” - “Aber ja doch, wir waren ja schon dabei. Also, Frau Neubürgerin, Vengoran oder in der neuen Stadt?” Conny sah hilfesuchend zu Vera und mir, wir nickten ihr zu - “Vengoran. Aber nenne mir einen Architekten, der mit dem Grund und einem Kirchenbau fertig wird.” - “Eines nach dem Anderen. Ich notiere mir also, Conny...” - “Cornelia Fleetholm” - “Conny Fleetholm baut auf dem Vegoran eine Kirche. So, nun hast du meine Zustimmung - aber der Architekt kommt mit den Plänen zu mir, ja? Muß ja alles passen, der Bau, die Straßen, und die neuen Häuser die wir da oben hinstellen wollen.”

Conny umarmte ihn “das habe ich mir schwieriger vorgestellt.” Hanaldor grinste schon wieder “ich hätte mehr Schwierigkeiten machen sollen um mehr solche Umarmungen zu bekommen. Aber wart’s nur ab, das kommt schon noch. Nicht von mir, bewahre. Bauen hat so seine Spezialitäten. Warst du schon bei Aldor ?” - “Gerade eben.” - “Und? Kommst du mit ihm klar?” - “Mühelos. Der ist ja so normal wie jeder hier.” - “das muß er auch sein. Ja also, sein Bruder Nandor.. .in Vanartis, Norman weiß wo, der kann das wohl.” Damit wandte er sich einem dicken Buch zu, schrieb einige Sätze hinein und legte es dann in einen Schrank. “Gestern haben wir uns noch gefragt ob wir auf dem Vengoran besser einen Park bauen sollten. Aber eine Kirche ist natürlich viel besser für den altehrwürdigen Platz. Ja, dann solltest du mal den Nandor besuchen gehen, was? Und wenn er mitmacht, schick’ ihn mir gleich mal her. Dann könnten wir uns mit den Häusern, Brunnen und so weiter an den Entwurf anpassen.”

Conny strahlte so daß sie erst mit Verzögerung reagierte. “Ja, geht das denn schnell? Dauert das nicht Jahre, so einen Bau zu entwerfen?” - “Du wirst sicher mehr Zeit brauchen Handwerker zu suchen, Künstler, Helfer und was sonst so nötig ist, als Nandor für eine Bauzeichnung. Allein die Frage, welches Gestein verwenden, woher beziehen, wer transportiert...ich hoffe du wirst keinen Schreck bekommen, wenn dir klar wird was du dir da vorgenommen hast. Aber da kann Nandor dir sicher gute Tips geben. Du solltest dir den alten Hügel mal ansehen, und dann schnell zu Nandor. War’s das?” Conny war noch immer halb neben sich als wir wieder auf der Straße standen und Hanaldor uns lächelnd zuwinkte “alles Gute!” - “Vera schüttelte sie kurz “hallo, Conny...das waren die Formalitäten, nun geht’s los. Gehen wir mal da rauf?” Conny nickte nur.

Schön sah es auf dem Vengoran nicht gerade aus. Einige der alten Häuser standen noch, teilweise beschädigt von einem Strom aus Erde, Bäumen und Gestein, der vom höchsten Punkt des Hügels bis fast runter ins Tal geflossen war und nun langsam von einem kleinen Bach, der das ausgelöst hatte, wieder weggewaschen wurde. Arbeiter waren dabei diesen Bach mit Steinen einzufassen und weiter unten in sein altes Bett zu leiten. Ich fragte bei ihnen nach, wie denn das gekommen war “ach, Schlamperei” sagte ein Mann wie ein Baum, der wohl den Trupp leitete “der Vengoranbach hat früher einige Brunnen gespeist . Aber seit hier keiner mehr wohnt, hat sich das alles mit Laub und Zweigen verstopft - bis dann die Quelle nicht mehr fließen konnte und sich einen neuen Weg gesucht hat. Und der war nun mal weniger gut...erst hat’s das Pflaster ausgewaschen, dann einige Fundamente freigelegt, und als man uns geholt hat, war es schon zu spät. Nur gut, daß hier ja ohnehin alles neu gebaut werden soll.” - “Ja, aber wie? Ist denn da kein Fels drunter? Ich sehe nur Erde und Geröll .” - “ja, obenauf. Der Schutt aus den alten Bergwerken. Das ist ja das Problem; zuviel davon. Der Vengoran wird ein paar Meter niedriger sein wenn wir hier fertig sind.”- “Und was ist da drunter?” - “Bester Basalt. Hart, schwer, und schwarz. Nicht unbedingt schön, aber solide.”

Conny und Vera hatten nur still zugehört, nun versuchte Conny mal praktisch zu denken “also, schwarzes Gestein möchte ich nicht verwenden.” - “Na klar, ist aber gut daß es da ist. Laß dich von Nandor beraten, was man nehmen sollte. Gefällt dir denn der übliche weiße Kalkstein nicht?” - “Gibt es ja schon überall, und ein wenig Farbe wäre mir lieber.” - “Laß uns nach Vanartis fahren.” - “Augenblick noch.” Sie sah sich gründlich um, und die Aussicht da oben ist ja auch malerisch; zwar ist der Vengoran viel niedriger als der Atalan, liegt aber dennoch weit über allen Dächern der Stadt. Und der Blick reicht weit, nach Süden und Osten - nach Norden nur bis zum Atalanhang, nach Westen bis zur Westkette - aber diese Lage bietet auch Schutz vor Wind und viel, viel Licht von den großen Leuchtern auf dem Vulkan. Conny nickte zufrieden “Hanaldor hat recht. Einen schöneren Platz gibt es in Atlantis nicht. Ja, laß uns fahren.”

Nonne, Priester, Architekt....

Nandor war nicht sofort für Connys Idee zu haben. “Eine Kirche in Atlantis? Aber wir haben doch schon zwei Kirchen hier? Warum denn das?” - “Hast du dich das auch gefragt, als ihr Deliartis wiederbelebt habt? Städte gab es ja schon genug...” Aha, Conny hatte sich gründlich informiert. Gut so. Nandor stutzte, lachte “Nein, natürlich nicht. Hat uns beide fasziniert, den Aldor und mich. Ist doch einfach die schönste aller Städte.” - “Ja, einverstanden. Und jetzt bauen wir die schönste aller Kirchen, ja?” - “Hoppla, junge Frau...das ist ein großes Wort.” - “Mir wurde gesagt, du kannst das.” Das war es. Nandor kratzte sich am Bart, nickte bedächtig....”versuchen will ich es gern. Hast du denn eine Vorstellung wie sie aussehen sollte?” - “Kennst du gotische Kathedralen?” - “ so ähnlich, aber ....(gotischer Grundriss)Auweia. Ja, schon..Notre Dame in Paris, die habe ich mir sehr genau angesehen. Aber das ist eine alte Bauweise...” - “Ja, ich meine auch nur die Form, nicht alle Details. Also hoch, hell innen, und schön groß - aber nicht unbedingt dieser Wirrwarr von Pfeilern und Säulen. Ich habe allerdings keine Ahnung ob das möglich ist...?” - “Mach’ mal eine Skizze.” Nandor gab ihr einen Bogen Papier und einen Stift, sah dann interessiert zu als Conny versuchte, ihre Idee aufzuzeichnen - und da staunte ich auch. Da entstand eine Form, die unten breit anfing und oben immer schlanker wurde, fast wie ein Nadelbaum, oder eine Reihe davon. So einen Bau gab es wirklich nirgendwo, aber geht denn sowas? Conny legte den Stift weg “unmöglich, nicht wahr?” Nandor wiegte den Kopf. “So etwas hat noch kein Mensch versucht. Sieht faszinierend aus...einfach wird das nicht, und es wird Zeit brauchen.” - “was denn, du kannst sowas bauen?” - “Ich denke schon. Aber das wird mich lange Nächte am Reißbrett kosten...was für ein Entwurf. Wie bist du nur darauf gekommen?”- “Ich war auf Arganthia, und diese Bäume...da kam mir die Idee. Anfangs dachte ich nur, sowas sollte mal einer machen, dann dachte ich, warum nicht ich? Und dann haben mir diese Verrückten hier zugeredet...wo ist Vera übrigens?”

Die war ganz still verschwunden. Nun nahm Nandor den Stift und ergänzte einige Linien, machte die Spitze noch höher und zeichnete ein paar Elemente dazu, die wie Blätter einer großen Pflanze aussahen. “Wie wäre es denn so?” Conny strahlte. “Wunderbar, genau. Machst du das?” - “Ich bin ja schon dabei. Und was für ein Material?” - “Keine Ahnung. Ich hätte es gern nicht so kalt, also nicht schwarz oder weiß, etwas farbiger. Gibt es so etwas?” - “Rot? Vulkansandstein?” - “Rot ist etwas stark..leichtes Blau?...gibt es denn solchen Stein?” - “Theoretisch schon, auf Kyklos, einer kleinen Insel im Norden. Travertin, mit ein bißchen Kobalt darin, leicht gestreift, sieht sagenhaft aus. Wird aber nicht einfach zu beschaffen, wir müßten erst einen Steinbruch aufmachen, und das muß mein Bruder erlauben. Kyklos ist gefährlich.” - “Vulkane?” - “Nur einer, aber ein ganz unberechenbarer Bursche.” - “ich wußte ja daß es ein Traum ist...”

“Na, na...so schnell aufgeben ist doch dumm.” eine dröhnend kräftige Stimme sagte das. Vera war zurück, mit Velandor, den sie wohl abgeschleppt hatte. Der kam nun zum Tisch, umarmte uns, sah sich die Skizze an, schluckte “aber das ist ja...das mußt du unbedingt machen, Nandor. Sieh doch nur, das ist doch die erste neue Idee am Bau seit tausend Jahren.” - “Das sehe ich ja. Sozusagen das genaue Gegenteil der großen Kuppel in der Kristallwelt, das meinst du doch. Aber ist dir klar wo das hin soll? Auf den Vengoran. Das wird sowas wie die Krone auf Atlantis werden...über allen Häusern, auch über dem Palast. Die alte Stadt wird ein neues Gesicht bekommen.” - “Das schadet ihr gar nicht. Wie ein Finger der auf Gott zeigt...das wird die Stadt nur schöner machen.” - “Jaja, aber Gott können wir nicht fragen” grinste Nandor, der längst begeistert war, aber auch Zustimmung brauchte. Natürlich würde es Kommentare hageln, gute wie negative, und...”man wird immer sagen, Nandor, das ist der Typ der die Kirche in Atlantis gebaut hat.” - “Dann muß du es eben gut machen. Schluß damit, macht euch lieber Gedanken wie ihr das anpackt. Daß ihr’s tut, ist doch ohnehin längst klar.”

Damit hatte Velandor das hin und her glatt abgesägt, Nandor lächelte ihn an “ja gut, ich will ja. Aber sag’ mal, mehr hast du nicht dazu zu sagen? Bisher bist du hier derjenige, der für die Kirche steht. Voll einverstanden?” - “Du vergißt Elardia, die in der Kelchkirche tut was ich in der Josefskirche mache. Aber was sollte ich dazu sagen? Der Entwurf ist wunderschön, Conny wird das sicher gut machen, du auch, also was? Alles was mir noch fehlt, wäre ein Name für das Prachtstück. Habt ihr schon einen?” Alle sahen Conny an, aber die hatte sich darüber noch keine Gedanken gemacht. “das ist aber wichtig” meinte nun Velandor, schwieg aber als einfach nichts kam. Nun ging es wieder ums Material, und Conny’s Wunsch, daß es in der Kirche sehr hell sein sollte. “Wie wäre es mit einem Glasdach?” fragte sie, aber Nandor winkte ab. “Nicht in Atlantis. Der Vulkan würde es bald beschädigen, und man müßte immer wieder raufklettern und Asche abkehren. Nein, so bekommen wir den Bau nicht hell, aber die schrägen Wände sind ja schon eine große Hilfe dabei. Reicht das denn nicht? Große Fenster, und sehr viele, hast du ja schon eingezeichnet?” - “Ja, aber nachts?” - “Oho, nachts soll es auch hell sein?” - “Aber ja doch. Immer . Wie können wir das hinbekommen?” Nandor breitete die Arme aus. Velandor grinste breit “ganz anders als alle Kirchen die du kennst, ja?” - “Aber bitte. Unbedingt. Ich möchte nichts kopieren, und alles Andere als eine dunkle Höhle mit Kerzenschein. Das muß doch möglich sein?”

Mir fiel nichts ein, und so ging es uns allen - bis dann Vera sich die Zeichnung genauer ansah. “Sehe ich das richtig, der Turm sitzt auf der Mitte und ist innen offen?” - eher so (Handskizze)“Ja. warum?” - “Und wenn man ganz oben im Turm einen schönen großen Mélanaden einbaut?” Nandor sah sie verwundert an “in der Turmspitze? Dann leuchtet der Turm ja wie ein Seezeichen. Aber...eigentlich gar nicht dumm. Du, das ist es! Ich dachte an viele kleine Mélanaden, wie in der Königshalle. Aber ein Großer im Turm, genial. Conny?” - “Ja, genau. Mach das so. Ich sehe schon, ich sollte überhaupt dir überlassen, wie es wird. Hauptsache, du baust die Form die ich gezeichnet habe, das ist mir wichtig.Kann ich dich mit deinem Zeichenbrett allein lassen?” Nandor schmunzelte. “Ich bitte darum. Wird ein wenig Zeit brauchen, das alles so zu berechnen, daß es auch Erdbeben oder Stürmen standhält. Ich komme euch dann besuchen, ja? Wir gehen dann zusammen zu Hanaldor, wenn dir der Entwurf zusagt. Und du hilfst mir, meinen königlichen Bruder zu beschwatzen, daß er einen Steinbruch auf Kyklos zuläßt. In einigen Tagen, hoffe ich.” Damit entließ er uns, und wir traten hinaus in die wieder recht belebten Straßen von Vanartis. Conny schnaufte durch...”das war es wohl - jetzt läuft es .” - “Das ist die äußere Form” sagte Conny nun, war noch nicht ganz zufrieden. Mir ist sehr wichtig wie das innen ausschaut.” - “Gut.. .setz dich, das ist mehr Arbeit” meinte Nandor “Also, dein Leuchtkristall soll außen wie innen sichtbar sein?” - “Ja genau.” - “Das macht natürlich eine sehr spezielle Wirkung...” Nandor fing an zu zeichnen, griff zu farbigen Stiften “etwa so, vorausgesetzt, wir können dies blaue Gestein bekommen - wäre es das?”

Innenraum, teilweise, Zeichnung Conny war erschlagen. “Du bist ja ein Künstler” flüsterte sie und sah sich das lange an. “ich verstehe das doch richtig” fragte Nandor nach “Altar unter dem Turm, in dem das Licht strahlt, und vor wie hinter dem Altar Zuschauerraum?” - “Podium” meinte Conny “ist schon ganz richtig so. Altar, das ist mir auch zu herkömmlich. Ich denke ja nicht nur an Predigten. Auch Musik, Gruppen in der Mitte, verschiedene Veranstaltungsformen eben.”

Nandor lehnte sich zufrieden zurück. “Scheint, als würde ich da wohl auch mal aufkreuzen, ich meine, nachdem die Kirche fertig ist. Das klingt gut.” Bald darauf verabschiedeten wir uns. Nandor war beschäftigt, Conny meinte, das wäre ja nun mal genug für den Tag.

“Nicht so schnell, junge Frau.” Velandor zeigte auf eine niedrige Mauer und setzte sich auch gleich darauf. “Den Bau zu regeln, ist eine Sache. Was hast du eigentlich mit dem Prachtstück vor? Ich sehe dir ja an daß du hier angekommen bist - aber bist du das wirklich? Wenn du da loslegst wie ein Missionar, wird die Kirche bald leer bleiben. Ohne ein schlüssiges Konzept wird das nur ein schönes Gebäude, und davon haben wir eigentlich schon genug.  Also mußt du wissen was du vorhast - weißt du es? Das klang eben schon ganz gut, mit den verschiedenen Veranstaltungen - genauer?”

Conny überlegte einen Moment “ich habe in den letzten Tagen nur noch an Bauweisen und Formen gedacht. Aber natürlich weiß ich es. Ich habe verstanden, mit deiner und Alidas Hilfe, daß hier ein Service wie ich ihn von Kirchen gewohnt bin, nicht gebraucht wird - und nach einiger Überlegung gefällt mir das. Damit sind also Predigten und klassische Gottesdienste wenig wichtig, ich denke - du machst das ja auch ein wenig - das wird es zwar geben, aber nur in kleinem Umfang. Ich möchte daß diese Kirche etwas ist, was es im frühen Christentum gab. Eine Art geistiges Zentrum, wo sich Leute treffen die über die Zukunft nachdenken, und zwar ohne jede Rücksicht auf Religion, Konfession oder gar Mitgliedschaften, Leute, die nicht unbedingt ein hohes Amt haben müssen, aber Ideen. Ich denke, da hat die christliche Lehre eine Menge zu bieten, und ich habe das in der Gemeinde daheim vermißt. Da wurde nur eine Tradition befolgt. Dabei haben wir eine neue Tradition zu gründen, weltweit. Da ist eine Menge Weisheit in dem was dieses Land lebt, und etwas weiter oben weiß man nichts davon. Ebenso steht einiges in den heiligen Schriften, wovon kaum ein Mensch was weiß - mich selbst eingeschlossen, das habe ich deutlich bemerkt, neulich, bei dir, und mit der alten Bibel. Ich kann dir noch kein fertiges Konzept vorlegen, das braucht Zeit. Aber so etwa in diese Richtung.”

“Sehe ich das richtig, du wendest dich nicht nur an Atlantis oder Avalonia?” - “Ich denke, das wird Menschen überall interessieren. Und der Zeitpunkt ist doch ideal, wo so viele herkommen um das lange vermißte Land zu besuchen.” - “Da hast du dir ganz schön was vorgenommen.” - “Ich werde mich schon darum kümmern daß ich das nicht allein mache. Ich habe auch gar nicht erwartet daß es so schnell möglich ist. Es überfährt mich ein wenig.” - “Dann mach’ mal Pause. Mußt ja ohnehin abwarten was Nandor abliefert.  Hast du meinen Rat befolgt, die guten Früchte zu kosten?” Conny grinste. “Teilweise. Alles auf einmal geht ja nun auch nicht. Wenn du das meinst - die hiesigen Männer habe ich noch nicht ausprobiert.” Velandor lachte. “Solltest du aber. Wer über’s Leben nachdenkt, sollte es kennen.”  Sie lachte mit “und das von einem Priester. Es wird dauern bis ich mich daran gewöhnt habe, und eine Schwangerschaft wäre jetzt auch nicht so passend.” - “Sicher. Mußt ja nicht gleich voll aufdrehen, aber glaub’ mir, wenn du ein neues Leben anfängst, dann sieh zu daß du alte Gewohnheiten und Ängste hinter dir läßt. Und bald...wenn der Bau losgeht, wirst du kaum noch Zeit haben. Wenn die Kirche fertig ist, so wie du das planst, wohl noch weniger.” - “na klar - ich werde mich vertrauensvoll von Vera anleiten lassen. Bist du eigentlich verheiratet?” - “Aber wie - ich habe sechs Kinder.” - “Und mit wem? Wo steckt denn deine Frau?” - “Elardia ist in der Kelchkirche, nehme ich an. Die Kirchen hier sind ein reiner Familienbetrieb. Sie da oben, ich hier unten. Und die Kinder...ich sollte sie nicht mehr so nennen...sind schon ziemlich erwachsen. Glaub’ mir, wenn du auch nur ein bißchen von dem machst was du Seelsorge nennst, mußt du was von Familienleben verstehen. Mir fehlt da nichts...”

Conny nickte still, ich konnte mir denken oder mitbekommen was sie dachte “auch das noch. Recht hat er, aber wie?” - “Das wird. Hauptsache, du willst es auch.” sagte Velandor dann, mehr nicht, und für eine Weile sagte keiner mehr was.

Velandor verabschiedet sich bald. Wir ließen uns Zeit, bummelten langsam zum Gleiter zurück und trödelten auch auf der Heimfahrt. Vera fing an, Conny zu betreuen - also, sie küßten sich mehrmals zärtlich und zunehmend länger - und als ich die zwei in Atlantis auslud, bekam ich mit wie Vera Conny fragte ob sie heute Nacht bei ihr schlafen sollte. Conny sagte einfach ja - und schluckte dann heftig, sah mich an “ab mit dir, das geht dich nichts an.  Irgendwie muß ich ja wohl mal das nonnenhafte Getue ablegen - ich werde später erzählen, ob es mir gelungen ist.” Immerhin, sie küßte mich ausgiebig, dann zogen die zwei ab. Alida, die den ganzen Tag sehr still geblieben war, lachte und lachte als wir wieder abhoben. “Auf ihre erste Predigt bin ich ehrlich gespannt.” - “ich auch. Wollen wir wetten, wie lange sie allein bleibt?” - “Was schätzt du denn? Ich gebe ihr vier Wochen, höchstens.” - “Weniger, oder viel mehr. Ich hoffe, sie trifft den Richtigen bevor es auf dem Vengoran losgeht.” - “Wäre auch praktischer. Sie braucht Mitstreiter. Vielleicht hat sie ihn ja schon getroffen?” - Häh?” - “Vielleicht.” Sie verriet mir nicht mehr, und ich behielt dii Schlüsse die ich daraus zog auch für mich.

Wir verloren sie und das Thema Kirche für einige Tage aus den Augen.

Ein Anfang

Vera kam einige Tage nicht, auch Conny ließ sich nicht blicken. Also schrieb ich mit Holger einige Tafeln über das Vorhaben auf dem Vengoran, wir rechneten mit einigen Kommentaren dazu - bekamen aber vorerst gar keine. Es wurde zwar heftig über den Hügel, den Erdrutsch und den Umbau da oben diskutiert, das bekamen wir mit, aber es gab weder Lob noch Kritik dazu. Die “Altstadt” war einfach kein Thema mehr, seit sie nicht mehr bewohnt war. Inzwischen räumten die städtischen Arbeiter den Erdrutsch und die beschädigten Häuser ab, völlig ungestört, und wir waren allmählich der Ansicht, die Sache mit der Kirche wäre wohl genau richtig, weil wohl kein Mensch da oben bauen wollte. Es tat sich jedenfalls wenig, als der Hügel geräumt war; nur ein Lagerhaus wurde angefangen, purer Optimismus, meinten wir - ein Lagerhaus ohne umgebende Wohnhäuser? Unnötig.

Dann wurde es abends bei uns recht hektisch. Erst kamen Nandor und Aldor gemeinsam an, Nandor hatte seinen Bruder inzwischen eingeweiht und halb überzeugt, die gefährliche Insel Kyklos wenigstens für einen Steinbruch zu öffnen, Aldor war aber zögerlich, wollte selbst mit Conny und Vera sprechen, denn diesen Steinbruch abzusichern wäre wohl aufwändig, meinte er, und das lohne sich nur wenn das Bauprojekt wirklich etwas ganz Besonderes würde. Dabei war ihm der Bauplan weniger wichtig - er gefiel ihm gut - sondern, was auch Velandor gesagt hatte, was dann später dort stattfinden sollte. Nandor hatte Connys Zeichnung fast genau umgesetzt, nur am Turm hatte er noch einmal gefeilt und inzwischen schon Hanaldors Zustimmung eingeholt. Schlitzohr, dachte ich, denn Nandor hatte ein entscheidendes Detail  verändert - ich war echt gespannt was Conny dazu sagen würde. Jedenfalls hatte ihm diese Änderung Aldors halbes Okay und Hanaldors Bewunderung eingebracht....

Die zwei kamen etwas später. Conny erschrak als sie Aldor sah “muß ich jetzt auch noch die Zustimmung des Königshauses einholen?” - “Für die Kirche nicht , beruhige dich. Aber damit ich Kyklos freigebe, brauche ich einen verdammt guten Grund” meinte Aldor “aber entspann’ dich mal, Eines nach dem Anderen. Sieh dir erst mal an was mein Bruder da entworfen hat.” Das tat Conny dann auch, und sah sofort die Veränderung der Turmspitze. “Was hast du denn da oben gemacht?” - “Die Spitze würde ich gern aus Glas machen.” - “Was denn, ich denke das ist zu bruchgefährdet?” - “Glasziegel ja. Was du da siehst, ist ein einziges Teil, ein langgestrecktes Prisma, aus einem Stück gegossen und dann geschliffen, also massiv. Das bricht ganz sicher nicht, aber es paßt ganz elegant zu Vera’s großem Mélanaden direkt darunter. Damit leuchtet er nicht nur in die Kirchenhalle, er strahlt auch Licht nach außen ab. Das verstärkt den Leuchtturm-Effekt sehr. Und wie Hanaldor meinte, damit bekämen wir eine Kirche und einen Leuchtturm gleichzeitig...er ist dabei, hat schon ja gesagt. Gefällt es dir nicht?” - “Äußerst ungewöhnlich...aber genau das will ich ja. Einverstanden. Aber sonst geht es wirklich so wie ich es mir gedacht habe?” - “Ja. Ich muß zwar einige heiße Tricks anwenden, aber man wird nichts davon sehen. Die Fenster sind nicht einfach eingesetzt, sie tragen mit, mit ihrem Mélaneisenrahmen . Das muß so sein, weil die Wände ja geneigt sind und zu über 60% aus Fenstern bestehen; auch im Turm mache ich das so. Können wir also so bauen?” - “Details der Statik sind deine Sache. Natürlich, gut so, ich dachte, du würdest mir doch die Wände dicker machen.” - “Nein, ich habe sie stärker gemacht ohne sie zu verdicken. Es sind - unsichtbar - Spannseile drin, wie bei einer Brücke.” - “Das ist mir egal. Hauptsache, es ist stabil und bleibt es auch.” - “Das garantiere ich. So, Bruderherz...nun zu dir. Was für einen verdammt guten Grund hättest du denn gern?”

Aldor grinste. “Du weißt wie das ist, für Conny muß ich es wohl erklären. Der Rat steht hinter mir und wird mich fragen, warum dieser Aufwand für eine unbewohnbare Insel. Dafür brauche ich den Grund. Muß es denn dieser seltsame blaue Stein von Kyklos sein?” - “Aldor, bitte, ja. Weiße Gebäude hat es überall, bemalte auch, und Vulkanstein ist ebenfalls häufig. Ich will daß diese Kirche sich von allen anderen Gebäuden abhebt, unterscheidet. Und dafür ist ein noch nie verwendetes Material doch genau richtig.” - “Aber du hast doch schon eine so ausgefallene Form gefunden? Reicht das denn nicht?” - “Ja und doch nicht. Ach komm, wie ich gehört habe, konnte euch beiden doch auch keiner ausreden, das alte Deliartis herzurichten, obwohl der Rat dagegen war. Mit Erfolg...nun laßt mich doch bitte auch...?” Die beiden Brüder zwinkerten sich zu. “da hat sie einen Punkt..” sagte Nandor “mach es doch einfach davon abhängig, ob sie einen wertvollen Beitrag zum Stadtleben liefern wird, wäre das nicht Grund genug?” - “Darauf wollte ich noch kommen. Traditionspflege wie bei den Kirchen in Vanartis wird es ja nicht. Also, was wird es dann?” Conny zögerte, bis dann Vera sich einschaltete “weißt du, König Aldor...du und Sangara , ihr macht euch daran Avalonia in die Welt zurückzubringen, politisch. Die Welt wird sich hier blicken lassen, ganz sicher. Und da sehen wir eine Aufgabe, die ein Königspaar vielleicht nicht machen kann. Verstehst du?”

Aldor sah in die Runde “es wäre mir lieb wenn nicht allzu bekannt wäre was wir alles nicht können” schmunzelte er “aber erzähl’ mal. Hier unter Freunden.. .was kann eine Journalistin und eine Nonne, was der Palast nicht regeln könnte? Nur zu.” - “Schau mal...und nimm es nicht als Kritik...ihr und der Rat macht euch Sorgen wegen der Waffen, der Machtverhältnisse, den Ansprüchen anderer Länder - ist doch so?” - “Jaja, nur weiter.” - “Nun könnt ihr ja nicht sagen, schmeißt den Plunder weg, seht, wir haben es schon getan. Das geht nicht auf diplomatischer Ebene, obwohl es genau richtig wäre.” - “Sicher nicht. So direkt nicht.” - “Siehst du. Aber in all den Ländern mit denen ihr zu tun bekommt gibt es Menschen die das auch genau so sehen - Gläubige.” - “Ach so..ich ahne etwas...” - “Ja. Aldor, wir wollen genau das was ihr auch vorhabt, nur eben nicht politisch, sondern religiös - philosophisch. Das wird ein Treffpunkt für...ich sage mal Friedenshetzer ...sein. Da wird es zur Sache gehen, anders als bei euch im Palast, aber mit dem gleichen Ziel.” - “haha, Friedenshetzer...wie stellst du dir das konkret vor?” - “na, da werden sich Leute von hier mit Leuten von “oben” treffen, mit denen, die vielleicht in ihren Ländern wenig zu sagen haben, aber viel sagen könnten. Sagen wir mal, Rathurnida, der Dalai Lama, und vielleicht Leute von Greepeace. Und, natürlich, Bürger aus Atlantis, und wer auch immer dabei sein möchte. Man wird alles sagen können, und alles lesen - wir haben doch so einen Schatz von alten und neuen Schriften hier. Das ist es eigentlich schon, wie das dann wird und was später daraus wird, wissen wir ja auch noch nicht.”

Aldor nickte und schwieg lange, zwinkerte mir zu. “Sie hat ‘wir’ gesagt. Gut, einverstanden” sagte er dann “das wird der Rat akzeptieren. Macht also auf Kyklos was ihr wollt, aber sorgt mir für die Leute. Nicht daß es Verletzte oder gar Tote gibt - ihr müßt den Steinbruch perfekt absichern, gegen den Kyklakan. Dann ist es gut, und der Rat wird sich nicht querlegen.” Weiter kam er nicht, denn Vera kam zu ihm und knutschte ihn derart heftig ab daß er gar nichts mehr sagen konnte. Conny sah sich das mit großen Augen an, dann tat sie es auch. Aldor strahlte als er wieder Luft bekam...”ist ja gut. Ich mag euch ja auch...und eure Idee. Aber gebt dem Kind einen passenden Namen.” Hier mischte sich nun Alida ein “nennt sie doch einfach Weltkirche. Das paßt doch am besten.” Conny und Vera sahen sich an, lächelten “ja, also...warum nicht, bevor uns weiterhin nichts einfällt. Also Weltkirche...ja, gut, sehr gut sogar. Ja...sind wir denn damit durch? Können wir?” Aldor schob ihnen den Plan über den Tisch “macht mal, natürlich seid ihr durch. Wie lange wird’s denn wohl etwa dauern, bis wir das Wunderding besichtigen können?”

Conny und Vera schnauften erleichtert durch. “zwei Jahre mindestens” meinte Nandor “das hängt natürlich davon ab, wieviele Mitarbeiter wir auftreiben können . Ist ja nicht gerade das simpelste Bauwerk.” - “macht euch mal keine Sorgen darum” meinte nun Aldor “bei der nächsten Beratung rufe ich zur Mitarbeit auf. Das dürfte genügen.”

Erledigt. Und der gute Aldor hatte nun zwei Frauen auf dem Schoß die ihm deutlich zeigten, wie sehr sie sich freuten. Nandor ging inzwischen in die Küche, nach Getränken suchen, und was er da anbrachte, war natürlich nicht der grüne Saft.  Na klar, es gab Grund zum feiern. Das taten wir auch ausgiebig, und von Bauthemen oder Politik fiel kein einziges Wort mehr. Am nächsten Morgen war nur einer auf dem Vengoran. Nandor, der mit einem langen Maßband beschäftigt war und sich sehr genau ansah, was die Bauarbeiter an Basaltfels freigelegt hatten. Er sah ganz zufrieden aus, als er später zurück nach Vanartis fuhr.

Zement und Evangelium

Sie teilten sich die Arbeit. Nandor leitete die Baustelle, Conny und Vera hatten für den Rest zu sorgen, also für Arbeiter, Materialien und vor allem, für den Steinbruch auf der gefährlichen  Insel Kyklos. Veras Frage, was denn an Kyklos so schlimm wäre, konnte ich nicht beantworten, ich war nie dort gewesen. Überhaupt schien das kein Mensch zu wissen, auch dieses Verbot hatte Jahrhunderte auf dem Buckel. Aber die Hoffnung, es könnte ähnlich sein wie bei Delios, zerschlug sich eben dort, als Conny Rathurnida nach Kyklos fragte. Die stutzte, fragte zunächst wen das überhaupt interessieren könnte, und als sie von dem Steinbruch erfuhr, machte sie ein bedenkliches Gesicht. “Kyklos war früher bewohnt, also, vor dem Unglück. Damals war es ein hoher Berg mit Schneekappe, schön anzusehen, und nicht vulkanisch. Das änderte sich mit dem Unglück. Nun ist der Kyklakan zwar nur ein Zwerg, der sich auf dem Gipfel des Berges gebildet hat - aber ein Giftzwerg. Als Vulkan ist er völlig harmlos, mit Feuer richtet der keinen Schaden an, er war nur kurz aktiv. Aber seither gibt es einen Kratersee, schön anzusehen, aber genau der ist die Gefahr. Wenn das “Vulkanchen” Gas ausstößt, und das tut er in unregelmäßigen Abständen, drückt er das Wasser des Sees raus, und das strömt dann über die ganze Insel.  Das ist die Gefahr, und sie kommt schnell und heftig. Der Berg ist steil...ich möchte nicht dort sein, wenn so eine Flut kommt.” - “Kann man sich nicht davor schützen?” - “Das darfst du nicht mich fragen. Aber einfach wird das nicht sein. Frag’ doch die Bergarbeiter im Atalan. Der ist auch nicht harmlos, aber dort ist noch nie jemand zu Schaden gekommen.”

Conny machte ein trauriges Gesicht...eine halbe Stunde später mußte sie sich überwinden. Ich zerrte sie nämlich in die Feuerhalle, und als sie sich gerade an die seltsame Umgebung gewöhnt hatte, ins Bergwerk. Dort war dann nicht mehr viel von ihrer Entschlossenheit übrig, sie war ängstlich und bewegte sich so als könnte sie jederzeit tief abstürzen. Der Atalan machte es ihr auch nicht leicht; er rumpelte ständig herum, und in den engen Stollen klang das wirklich beängstigend. Dann machte sie große Augen als wir in einer großen Höhle auf eine Gruppe Bergarbeiter trafen.... “Was denn, die arbeiten hier in aller Ruhe, während oben der Vulkan ausbricht???” - “das ist etliche Kilometer weiter östlich. Man hört es, das ist aber auch schon alles, Frag den Vorarbeiter, der wird dir helfen können.” Wer das war, konnten wir leicht erkennen. Der massige Mann kommandierte unüberhörbar den Rest der Truppe, hatte uns schon gesehen und kam auf uns zu. “Hallo, Besuch? Oder wollt ihr mitarbeiten?” - “Nein. Wir suchen jemanden, der sich mit schwierigen Bergwerken auskennt.” Conny sprach fast zu leise, aber er verstand sie gut “schwierige Bergwerke, eh? Nun, den habt ihr gefunden. Keiner kann das besser als ich...pardon, ich bin der Santhor aus Atlantis, willkommen.” - “Conny, auch Atlantis. Traust du dir einen Steinbruch auf Kyklos zu?” - “Kyklos??? warum zum Teufel denn dieser verrückte Ort?” - “Der blaue Stein. Für die Kirche in Atlantis.” - “Oh, so.... die Conny bist du also. Hab’ schon davon gehört. Aber da muß ich dich enttäuschen, Kyklos kenne ich nur vom hören-sagen. Keine Ahnung ob das machbar ist.” Conny nickte und schwieg, was sie dachte wußte ich sofort “ich hab’s doch geahnt. Es wird nicht klappen.” Also griff ich ein und überredete Santhor zu einem Ausflug auf die verrückte Insel.

Kyklos sah richtig schön aus - aus der Entfernung. Ein massiver Berg mit einem Plateau oben, und da drauf saß der Kyklakan, ein wirklich zwergenhafter Vukan, kaum hundert Meter hoch, und regelrecht verziert mit dem tiefblauen, ebenfalls nicht großen Kratersee. Aus der Nähe sah das aber anders aus. Man sah deutlich die braunen Streifen, die vom Kraterrand herunter kamen und sich über die Hochebene verzweigten, um dann durch Schluchten am Berghang hinunter zur Küste zu laufen. “Da siehst du das Problem” sagte ich zu Santhor und erzählte was Rathurnida gesagt hatte. Er nickte und kratzte sch am Kopf “die sind ja überall, Sauerei” sagte er “und nicht alt, sonst wäre was drüber gewachsen. Passiert also wohl öfter. Tja, Steinbruch wird kaum gehen....landen wir doch einfach mal.” Conny sagte gar nichts.

Ich drückte ihm das Steuergestell in die Hände, und er landete ausgerechnet an der Steilküste im Osten der Insel, wo das Meer leider sehr ungemütlich ist - ein unangenehmer Ort. Eine Feuerfontäne, kaum hundert Meter vom Ufer entfernt, verursachte alle paar Minuten heftige Brecher, vor denen es auf dem schmalen Küstenstreifen keinen Schutz gab. Wir wurden nun regelmäßig geduscht, aber das schien Santhor kaum zu bemerken. Er stieg aus und stand dann vor dem Steilhang, sah sich den eigenartigen, geäderten Fels genau an “ich kann’s ja verstehen, das Zeug sieht wunderschön aus. Aber wir werden das unter Tage abbauen müssen, nur unter der Erde ist man sicher vor diesen Schlammlawinen. Ganz schöner Aufwand, was? Und einen Hafen gibt es auch nicht . Wir werden eine Landebrücke bauen müssen, ein Bergwerk anlegen...Conny, das wird Zeit brauchen.” - “Wie viel Zeit denn?” - “Drei Wochen, um Aldor zu überreden das zu erlauben. Sechs weitere Wochen, bis wir die ersten Steine verladen können. Wenn es genug Mitarbeiter gibt.” - “Also, Aldor hat schon zugesagt. Machst du das?” - “Ich? Nee, ich bleibe am Atalan. Ich schicke dir einen jungen Kerl, der macht das. Der Balathor aus Vanartis. Und du sorgst für mindestens zwanzig kräftige Männer, ja? Sonst sehe ich schwarz.” - “Aldor hat mir zugesagt...” - “Vergiß es. Bis der dir Leute schickt, ist hier Moos gewachsen. Geh’ zu Polardor, und erzähle ihm was du vorhast. Wäre praktisch wenn die Leute aus Vanartis wären oder von Illardia - ist nicht so weit.”

Wieder verlor ich die zwei Frauen und ihr Projekt für einige Wochen aus den Augen, sie hatten wohl auch kaum Zeit uns zu besuchen. Sie mußten ja Arbeiter auftreiben, Lastschiffe für den Transport, Unmengen von Holz für Landebrücke und Bergwerk, und ständig weitere Arbeiter für die Kirche selbst. Und genau dort traf ich sie wieder....Von der Weltkirche war noch nichts zu sehen. Nur eine tiefe Baugrube mit glänzendem, schwarzem Basaltboden in den eine Menge Arbeiter noch tiefe Löcher hackten, um Fundamente anzulegen. Nandor saß am Rand er Grube und sah amüsiert zu, weil sich nicht weit von ihm einige Leute heftig stritten. Velandor, Conny, Vera und Aldor waren das, und alle hatten rote Köpfe weil sie alle ihr Temperament kräftig austobten. Ich nickte Nandor zu, und tat es ihm gleich. Still saßen wir da, während nicht weit von uns die Argumente wie Bomben durch die Luft flogen.

“Das ist doch totaler Blödsinn, Conny. Mach’ deine Kirche, aber nutze sie um Menschen zu betreuen. Vergiß die Politik, das ist doch nicht unser Ding.” (Velandor) “Aber Velandor, du bist doch sonst nicht so ängstlich. Laß sie machen, mir gefällt die Idee. Es schadet der Religion sicher nicht, wenn hier eine Art von philosophisch-religiösem Zentrum entsteht.” (Aldor) “Es steht geschrieben “ gib dem Kaiser was des Kaisers ist!!! ”  (Velandor) “es steht aber auch geschrieben wer  würde ein Licht machen und es dann unter einen Scheffel stellen??? ” (Conny) “Himmelarschundzwirn!!! Würdet ihr das bitte lassen??? Velandor, es sagt ja keiner, daß du das auch so machen sollst. Aber es sagt uns auch keiner, wir dürfen nicht versuchen was wir für richtig halten!!! Stimmt’s, Aldor?” (Vera)

Es ging nicht mehr. Nandor und ich lachten dröhnend los, was die vier wohl sehr irritierte.  “jaja, ist schon so” sagte Aldor dann, ebenfalls halb lachend “aber seid so gut und streitet euch so lange ihr wollt, bevor wir das Wunderding einweihen. Aber bis dann habt ihr euch geeinigt, versprecht mir das.” Er bekam keine Antwort, machte eine wegwerfende Handbewegung und ging, leise lachend, Richtung Palast. Kurz darauf ging auch Velandor, Vera und Conny kamen zu uns. “Das wird sicher noch schlimmer” meinte Conny, nun auch dem lachen nahe “erst bringt er mich fast auf die Idee mit der Kirche, und jetzt, wo es konkret wird, fängt er an zu bremsen. Wer das versteht...” Nandor umarmte sie “ich verstehe das. Und du auch. Velandor und seine Frau, die waren bisher die Kirche hier. Nun müssen sie ihre Aufgabe mit euch teilen - nur Geduld, das wird schon. Spätestens wenn der Bau steht, dann fällt Velandor nämlich die Kinnlade runter. Vor lauter Ehrfurcht wird er vergessen was er dagegen hatte, ich kenne ihn. Je eher man was sieht, umso besser. Wann bekommen wir denn endlich Steine?” Conny und Vera seufzten.

“Ich hoffe, nächste Woche. Das Bergwerk ist ja längst fertig, und Leute haben wir auch genug. Die haben schon Tonnen von den Blöcken auf der Mole - wenn wir nur ein Transportschiff hätten.” - “Ja was denn, seit wann haben wir nicht genug Schiffe???” Nandor kratzte sich am Hinterkopf “ach ja doch, ich verstehe schon. Die Bauarbeiten auf Illardia.” - “Genau. Erst der Hafen, nun eine ganze Stadt, eine neue Straße und die Brücke nach Vanartis. Schwierig, schwierig da noch ein Großprojekt unterzubringen.” Nandor nickte und schwieg, was hätte er auch sagen sollen. Die Brücke und einige andere Objekte waren ja sein Werk ....“Moment mal” schaltete ich mich ein “wie genau fahren denn die Kähne? Für Illardia wird doch wohl örtlicher Kalkstein und Vulkanstein vom Atalan genommen, oder?” Nandor nickte still. “Na, geht doch. Feuerhalle, Vulkanstein holen, ab nach Illardis, und zurück - wo ist das Problem? Die können doch locker auf dem Rückweg eure blauen Steine zur Feuerhalle bringen. Von da weiter mit Karren, und schon läuft’s - oder mache ich einen Denkfehler?” Nun strahlte Nandor. “Nein, machst du nicht - natürlich geht das. Man muß nur drauf kommen.”

So hatte ich schließlich auch ein bißchen mitgeholfen die Kirche zu bauen, das freute mich - aber viel Zeit hatte ich nicht dafür, organisieren mußten das schon Conny und Vera, und die taten das auch mit Erfolg. So kam dann der Bau in Gang, aber man sah wenig genug davon. Wann immer ich auf den Vengoran kam, sah ich gewaltige Baugerüste, Materialhaufen und eine Menge Arbeiter - und schließlich verhängten sie das Ganze mit Tüchern, sie machten es richtig spannend. Wie es voran ging, erfuhr ich nur mündlich, wenn die beiden uns besuchten. Sie klangen immer optimistischer....

Und dein Glaube?

Man konnte die Form der Kirche gut ahnen, aber sie hatten die Abdeckungen nicht entfernt, als der Bau fertig wurde. Nur daß die Stoffbahnen jetzt direkt am Bau hingen, und die Gerüste schon entfernt waren. Niemand wurde hineingelassen, obwohl auch innen schon alles fertig war, angeblich. Geheimniskrämerei, warum? “Wirst du bald erfahren” sagte Conny als ich sie danach fragte “nächste Woche werden wir eröffnen. Erst dann fallen die Hüllen - du wirst staunen. Wir haben uns etwas einfallen lassen für die Eröffnung. Wird dir gut gefallen.” Das genügte mir nicht, und Veras beredtes Schweigen auch nicht. Ich lud die beiden für’s Wochenende zu uns ein - als Journalist sollte man Bescheid wissen, bevor ein Ereignis steigt. Und aushorchen konnte ich ja gut....

Sie kamen und wirkten etwas erschöpft. Also verschob ich das Verhör, wir gingen erst einmal ans Meer baden, gönnten uns einen faulen Nachmittag und einen leckeren Abend im ganz neuen Hafenrestaurant “Vogelfisch” bei uns in Conartis, dann sahen die beiden erheblich besser aus.  Also noch ein Weinchen, und mal sehen. Wieder daheim sprach ich es dann an “ nu schnack’ mal los, Conny. Wat haste’s da ausgekungelt?” Sie lachte und meinte dann, norddeutsches Platt hier, das wäre schon eigenartig. “N’büschen klönen geiht scho’, Alter.” Sie konnte das also auch. Aber Vera blieb immer noch völlig still.

Aha, sie hatten also prominente Gäste eingeladen - wollten aber nicht sagen, wen. Das war keine News, das hatte ich mir schon gedacht. Und sonst? “Die Akustik ist märchenhaft” sagte Conny “also, ohne Musik, das wäre ja glatt eine Sünde. Es fängt mit Musik an, und nicht etwa mit einer Orgel. Eine Band. Rate mal...?” - “Von hier oder von oben?” - “Oben.” - “A-ha...! Aber das ist eine zu große Auswahl.” - “englischsprachig.” - “Ach komm, da gibt’s so viele...” Endlich machte Vera den Mund auf. “Conny, das ist gemein, da kommt er nie drauf. Wir haben nämlich eine one-time-Band zusammengemixt.” - “Du hast das gemacht , also verrat’ es, wenn du willst.” sagte Conny und wartete ab. Vera machte es auch spannend, nannte einen Namen, Pause, noch ein Name...

“Also. Sir Paul McCartney,.........Eric Clapton........Bob Dylan.......gut?” Ich strahlte, natürlich. “Justin Hayward, ........David Gilmour, ......Donovan Leitch......Paul Simon.......Bruce Springsteen, .......und einige die ich wirklich nicht vorher nennen möchte.” Sie strahlte, ich war baff. “Wie hast du denn die alle zusammenbekommen?” - “Och, ganz einfach. Ich habe gesagt, wir machen ein Remake von Donovan’s “Atlantis” - in Atlantis - und hätten sie gern dabei, das war’s schon.” - “Deshalb warst du für einige Zeit nirgends zu finden...” - “Ja, ich mußte ein wenig reisen. Aber schwer war es wirklich nicht.” - “Nur Musik -Promis?” - “Nicht nur, aber das wird nicht verraten.” - “ist schon gut. Wunderbare Idee. Na, da wird Atlantis ja rocken....” Sie lachte “Ich will’s schwer hoffen. Wird mal Zeit daß es hier richtig fetzt.” Bei den meisten Namen hatte Alida nur ein Fragezeichen im Gesicht gehabt. Sie sah es mir an, daß Vera da einen sagenhaften Coup gelandet hatte “Sind das alles Superstars?” - “Wenn man sich auskennt - oh ja. Vera, und was ist das Thema für eine Predigt oder so?” - “Keine Predigt. Conny hat das inzwischen eingesehen daß es hier nicht so läuft. Aber es wird jemand sprechen....wart’s halt ab, das wird sicher auch ein Treffer.”

Ich sah ein, mehr würde sie nicht verraten. Aber nun war Conny dran. “Hättest du denn gern ein bestimmtes Thema gehabt, Norman?” - “Ach nein, kein bestimmtes. Aber irgendein Motto wäre doch gut, oder?” - “Irgendein Motto. Jaja, wird es schon geben, aber heute kommst du mir nicht aus, Herr Profi -Ausfrager. Woran, Norman, glaubst du eigentlich? Man kann sich gut hinter der Fragerei verstecken, nicht? Komm mal  raus, laß mal hören. Worum geht es dir eigentlich?” Treffer. Ich war es wirklich gewohnt Aussagen Anderer kritsich zu beleuchten und auszuwerten, und selbst im Halbschatten zu bleiben. “Na, ich glaube an Gott, was wohl sonst?” - “Das ist klar - und zu einfach. Wohin soll es denn gehen, Norman?” - “Wie meinst du das denn?” - “Na, was soll aus der Welt werden? Ein Haufen zerstrittener Nationen, und dieses wunderbare Land neuerdings mitten drin. Wohin, Norman?” Ich atmete tief durch. ja, was wohl? Ich hatte mich doch kräftig eingesetzt, in den letzten Jahren. Das wußten die zwei doch wissen...”ist das so unklar? Avalonia, mitten drin, ja klar. Ist ja schon in Arbeit....hör mal, ich bin nicht König Aldor, aber voll seiner Meinung.” - “Und was ist Aldors Meinung?” - “Na, daß wir alles zusammenbringen, von wegen zerstrittene Nationen. Vereinte Nationen heißt der Laden ja.” - “Wozu?” - “Das ist aber eine dumme Frage. Weil wir alle eine große Familie sind.”

Conny lächelte und war wohl zufrieden, aber dann kam doch noch etwas. “ Und du meinst, wenn du im Keller des Palastes Nachrichten bearbeitest, kannst du was dafür tun? ” Das saß. Ich hatte mir diese Frage auch schon gestellt, schon öfter. Nur daß ich keine Antwort hatte oder mich vor dieser Antwort drückte, ich wußte es nicht. “Ich tu’ halt was ich kann.” - “Bist du dir da sicher?” Nein, das war ich nicht. Aber wer bin ich schon, ein ehemaliger Redakteur eines Politikblatts, mehr nicht. Dachte ich. Und Conny, die inzwischen das direkte Verstehen gelernt hatte, schüttelte den Kopf  “Das ist eine Ausrede, Norman. Du hast Einfluß auf Aldor, das weißt du. Und Alida ebenfalls. Ihr zwei könnt also eine Menge bewegen, wenn ihr wollt. Wollt ihr denn?”

Alida beugte sich vor “Conny, keinen Schritt weiter. Wir tun schon was wir können. Bevor du anfängst Druck zu machen, frage dich besser was du selbst tun kannst.” Conny nickte und entspannte sich zu meiner Erleichterung....”Ihr kommt ja am Sonntag. Dann seht ihr schon daß ich längst dabei bin. Hey, so war das nicht gemeint - und ich wäre ganz froh wenn wir das Thema Kirchenbau und alles darum bis dahin vergessen könnten. Ich war noch nie an so einem großen Projekt dran, es reicht vollkommen. Bergwerke und Fundamente, Statik für einen hohen Turm und eine stilgerechte Einrichtung...es reicht erstmal.”

Wir waren einverstanden, und ich dann doch ziemlich still. Nicht daß ich konkreten Gedanken nachgegangen wäre, das wohl nicht. Nur irgendwie angestochen....Alida war blitzschnell bei anderen Themen. “Und, Conny? Noch keinen Mann gefunden der den Weg mit dir gehen will?”  - “No comment.” - “He, Moment mal - du machst meinen Mann an, lädst die halbe Musikwelt ein, baust eine Kirche - und hast dir nichts gegönnt in den zwei Jahren???” - “Das habe ich nicht gesagt. Ach so...du willst wissen ob ich ein braves Mädel bin und Velandors Rat gefolgt bin?” - “Ganz genau.” - “Also...ja doch. Schon mit Vera ...” Seitenblick, Grinsen... “...aber so nett das auch ist, ich hab’ doch lieber was festeres im Arm....verflixt nochmal, es dauert ganz schön lange sich das Nonnen-Getue abzugewöhnen. Bin ich rot geworden?”

Alida sagte nein, aber das war höflich . Etwas rötlich war sie schon.  Vera lachte lange “nun sag es schon, natürlich ist da jemand...” - “ Jaja...ich wollte es erst nach der Einweihung...na gut, unter uns. Der Hanaldor...” weiter kam sie nicht. Alida schlug sich auf die Schenkel “unmöglich. Kommt einfach so aus Hamburg und verführt den härtesten Junggesellen des Landes.” - “Ja, und? Ich wußte anfangs nicht daß er eigentlich allein bleiben wollte, und inzwischen will er das auch nicht mehr.” - “ja, und wann?” - “Schon länger.” - “Nein, ich meine, das Versprechen?” - “Nächste Woche, nach der Einweihung. Müßt ihr immer alles vorher wissen.” - “Ja sicher. Na, sowas...Frau Pfarrer und Herr Bürgermeister. Wohnt ihr dann in seiner Dienstwohnung?” - “Nee, ist noch nicht raus - aber nicht mitten in der Stadt. Auf dem Vengoran entstehen ja etliche neue Häuser...” - “Ach, gleich neben der Kirche?” - “Vielleicht. Bitte, ich kann eigentlich noch nicht weiter als bis zum Sonntag denken.”

Um diesen Sonntag ging es dann auch noch länger, ohne meine Beteligung. Ich war in Gedanken versunken, die weit über diesen Sonntag hinausgingen - was nicht heißt daß ich es, wie alle im Raum, ebenfalls kaum erwarten konnte die Einweihung zu erleben.

Sonntag, zehn Uhr

Wir waren natürlich viel früher auf dem Vengoran. Es gab auch eine Menge zu sehen, die Stadt hatte sich Mühe gegeben. Von dem Erdrutsch war keine Spur mehr zu entdecken, die Straßen neu angelegt, das Lagerhaus fertig und etliche Wohnhäuser noch im Bau, aber schon so weit daß man sich daran freuen konnte - sie hatten nicht die Bauweise angewandt wie unten im Zentrum, sondern so gebaut wie damals Arnathors Leute - kleine Häuser, flache Häuser, langgestreckte Häuser. Alle ohne Dachgärten oder aufwändige Melaneisenarbeiten, eher einfach und doch urgemütlich. Vor der immer noch verhüllten Kirche ein weiter Platz mit großen Bäumen und einem prächtigen Brunnen, Bänken und einem Restaurant, das schon eröffnet hatte.  Der Platz war schon übervoll...

Punkt zehn tauchten sie auf. Aldor, Sangara, Hanaldor, Rathurnida und der ganze Rat, dann auch Conny und Vera. Es wurden keine Reden gehalten. Sie alle nahmen sich ein Seil, es hingen etliche von der verhüllten Kirche herab, und auf ein stilles Zeichen von Conny zogen sie daran. Ein leises Rauschen und die Tücher kamen herunter, Helfer falteten sie schnell zusammen...und ein recht lautes “ooohhh...” ging durch die Menge. Himmelhoch ragte die Kirche vor uns auf, ein langer Hallenkörper und darauf der sich nach oben verschlankende Turm mit den Blattornamenten, die ihn wirklich wie einen versteinerten Baum erscheinen ließen. Die Wände, mit Adern aus verschiedenen Blautönen überzogen, strahlten auf im Licht - ein Meisterwerk, wirklich. Irgendwie hatten es die Bauwerker geschafft die Steine so zu verbauen wie sie im ursprünglichen Fels zusammen gewesen waren, man sah weder Fugen noch andere Spuren ihrer Arbeit; und was den Wohnhäusern fehlte, war hier im Überfluß vorhanden, prachtvolle Fenster aus Melaneisen deren Goldton sagenhaft zum Blau der Wände paßte. Dann strahlte der Leuchter im Turm auf, und die Menge wurde still. Das war nicht weniger als ein Kunstwerk, was da in den letzten zwei Jahren entstanden war. Nur Nandor war nirgendwo zu sehen, er hatte wohl keine Lust auf all die Hände, die er schütteln müßte, sagte ich mir.

Niemand sprach ein Wort, es war auch nicht nötig. Nach ein paar Minuten öffneten sich die Türen wie von Geisterhand, und die Menge strömte in die weite Halle. Alida und ich ließen uns mittreiben und kamen doch erst nach längerer Zeit hinein, und dort erschlug es uns fast. Connys Wunsch war voll und ganz in Erfüllung gegangen, es war kein bißchen dunkler als draußen, eher heller. Wie Bäume eines großen Waldes streben dort Pfeiler in den Wänden nach oben, sich ebenfalls verschlankend, und wer ihnen mit den Augen folgt, sieht nicht wo sie enden; das Licht des Mélanaden in der Turmspitze überstrahlt alles. Kein Bild, keine Skulptur lenkt ab von der Schönheit dieses Raums, aber wer gern Bilder sieht, kommt nicht zu kurz - die Fenster stehen europäischen Vorbildern in nichts nach. Allerdings sehen sie von außen fast noch besser aus, wegen des Lichts. Na gut, ich komme ins Träumen, aber so war das an diesem Morgen. Tausende Menschen denen es auch so ging, machten kaum ein Geräusch....

Dann erschienen sie vorn am Altar, unsere Promis. Aldor begrüße kurz alle Anwesenden, dann trat Conny vor. Mit wenigen Worten dankte sie für Unterstützung und meisterhafte Leistungen  der beteiligten Handwerker, dann rief sie eben diese zu sich -  der Altarraum füllte sich, und aus war es mit der Stille. Minutenlanger, tosender Applaus galt diesen Leuten, dann bat Conny um Ruhe. “Liebe Freunde, ich darf eure Aufmerksamkeit auf die Stoffwand hinter uns lenken. Denkt ihr, wir hätten vergessen dort eine Wand zu bauen?”   Mir fiel diese Stoffwand erst jetzt auf, als der Altarraum sich leerte und nur noch Conny dort stand. Erneut zog sie an einem Seil, die luftige Wand fiel herunter und Conny trat ab. Weitere Fenster, und darunter....

Die Band stand bereit. Ich kannte diese Stars ja, gut und lange, aber daß sie jetzt einfach so da standen, nur mit ihren Instrumenten, ohne Verstärker, Boxen, Mikrofone...was wird denn das, dachte ich. Tausende Menschen und unplugged? Ob das wohl geht? Moment, das waren doch mehr als Conny erwöhnt hatte ?  Zuerst erkannte ich einige Musiker die ich nicht mit Namen kannte, aber im “Hadesartis” live erlebt hatte. Dann auch einige aus dem Bereich der Klassik, aber alle kannte ich nicht oder konnte sie nicht erkennen, denn ich stand mitten in der Menge, gut achtzig Meter vom Altarraum entfernt. Aber egal, es ging auch schon los. Ganz leise begann Donovan mit seinem “Atlantis”. Und tatsächlich, die Menge raunte kurz, dann war sie still und man verstand jedes Wort. Bald steigerte sich der Song bis zm Finale, an dem sich bald auch alle Anwesenden beteiligten - man versteht ja schnell bei uns. So ging es auch weiter, eine volle Stunde Somg auf Song, und meistens mit allgemeinem Chorgesang...ein Erlebnis, besser als volle Gewalt aus riesigen Boxen. Viel zu kurz, dachte ich als sich die Musiker verbeugten und abtraten. Aber da vorn tat sich sofort wieder etwas.

Rathurnida kam zuerst, dann Aldor, dann die Gäste: na sowas, die Queen persönlich, Nelson Mandela, Bill Gates, Raoul Castro, und eine Frau im indischen Gewand die ich nicht kenne. Was für eine Mischung...und was wird  das jetzt? Offenbar war keinem der Gäste das Thema bekannt. Mr. Gates wandte sich an Aldor “would you please make the first move, your Highness?” Aldor lächelte und machte eine Armbewegung zu Rathurnida. Die trat vor, verbeugte sich, dankte Musikern und Politikern für ihr kommen, dann “Nun soll ich also das Thema vorgeben, ja?” Sie lächelte. “was würden Sie sagen, wenn es ganz einfach ist: wie machen wir das, daß sich bald alle Menschen dieser wundervollen Erde so freudig und friedlich vereinen können, wie wir das heute hier tun? Versuchen wir doch einmal, einen Fahrplan zu spinnen der uns alle dahin zurückführt wo wir herkommen? Nach Eden?”

Absolute Stille. Dann leises Klatschen, das sich bald zu donnerndem Beifall steigerte, und das Gespräch begann. Anfangs nur da vorn am Altar, dann kamen die Musiker dazu, und nach und nach weitere, die einfach nach vorn gingen und ihre Meinung sagten. Bald war es keine Vorstellung mehr, die sich wie auf einer Bühne abspielte; es bildeten sich Grüppchen in dem weiten Raum und nahezu jeder beteiligte sich irgendwie. Wir suchten nach Conny und Vera, und fanden sie ganz still am Rande der Menge, sie hörten nur zu und strahlten, ihr Wunsch war voll und ganz in Erfüllung gegangen. Wir umarmten beide wortlos, dann sahen wir auch Nandor. Auch er war ganz still, und sein strahlendes Lächeln sagte genug. Was soll man auch sagen, wenn in einer solchen riesigen Halle ein einziger Mensch vorn mit leiser Stimme sprechen kann und dann auch ganz hinten jedes Wort klar und deutlich ankommt? Man mußte ihn nicht loben, das Ergebnis sprach ja für sich. Wir blieben lange, und ich bin mir ganz sicher, wenn bis dahin so mancher Bürger dieser Stadt der Öffnung zur Welt skeptisch gegenüber stand, so kam jedenfalls keiner an diesem Tag aus der Weltkirche der noch so dachte. Wir jedenfalls schwebten einige Meter über dem Boden, als wir spät abends die Kirche verließen, in der noch lange nicht Schluß war. Aber wir mußten uns ja um unsere kleine Tochter kümmern.

Sie ist noch nicht lange geöffnet, diese prächtige Kirche. Ich kann also nur wenig darüber sagen, inwiefern Conny ihre Absichten umsetzen kann und der Prachtbau wirklich zu einem geistigen Zentrum wird; immerhin hat schon eine wichtige Konferenz dort stattgefunden bei der wir dabei waren und es ist klar daß man nicht sagen kann ob die guten Ergebnisse dieses Treffens  auch vom Ort des Geschehens beeinflußt wurden, wie soll man das messen. Uns freut einfach daß Atlantis einen Edelstein mehr hat, in seiner alten Krone.

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Quellen zu den Themen dieser Seite

Urchristentum , Apostel Paulus , die Apostel